Indien, Tag 5 / India, day 5

(English version follows below)

Wie gut, dass ich nicht erwartet habe mich in den sechs Tagen fern von zu Hause zu erholen und auszuruhen. So langsam forderten die kurzen Nächte nämlichen ihren Tribut, und auch die letzte war leider nicht besonders lang. Ich hatte den Fehler begangen, am Abend noch Chai Tee zu trinken, der mich bis lange nach Mitternacht wach hielt. Als ich endlich kurz vorm Einschlafen war, fiel mir doch ein, dass ich mir nicht die Füße gewaschen hatte…nach meiner Barfuß-Aktion im Tempel war das tatsächlich ein Grund nochmal aufzustehen (was bei anderen Familientmitgliedern auf Unverständnis stößt…).

Am Morgen des 5. Tages musste ich noch dazu um sechs Uhr aufstehen, denn ich wollte nach Agra zum Taj Mahal fahren. Da ich den Verkehr in Delhi an einem Montagmorgen nicht einschätzen konnte, hatte ich mir ein Uber mit entsprechend viel zeitlichem Puffer bestellt und war überpünktlich am Bahnhof Nizamuddin, von wo aus der Schnellzug nach Agra abfuhr. Der Zug ist eine prima Sache, denn er braucht nur 1,5 Stunden, wohingegen man mit dem Auto drei bis vier Stunden einplanen muss. So fuhr ich also Richtung Süden, vorbei an vielen Wellblechhütten, vor denen auf offenem Feuer Frühstück gekocht wurde, und großen Feldern. Die Sonne war wegen des morgendlichen Nebels, aber auch wegen des Smogs nur verhalten zu sehen. Nach einer Weile döste ich ein – ich fühlte mich sehr müde und etwas schwummrig.

In Agra am Bahnhof war ich heilfroh, dass Karsten im Internet eine Seite mit Touristenguides gefunden hatte, die einen direkt am Zug abholen und zum Taj Mahal fahren. Sobald man aus dem Zug aussteigt, wird man umringt von einer Horde Männer, die versuchen, einen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten (allen voran dem Taj Mahal) zu bringen. Hier braucht man entweder starke Nerven, Abgebrühtheit oder eben einen lokalen guide, ansonsten wird der Ausflug ganz schön anstrengend.

Nachdem wir uns erstmal durch die Touristenfängermeute gekämpft hatten, ging es los zum Taj Mahal. Noch im Sommer hätte ich ja nicht zu träumen gewagt, dass ich dieses Bauwerk noch vor Ende des Jahres einfach so mal besuche. Der Taj Mahal (übrigens kein Palast, sondern ein Grabmal, das der Großmogul Shah Jahan für seine Lieblingsfrau bauen ließ) gehört ja nun wirklich zu den bekanntesten Orten der Welt und zieht jedes Jahr Milionen von Besuchern an. Trotz dieser zahlreichen Touristenströme ist und bleibt es wirklich ein atemberaubender Ort (und das nicht nur wegen des Smogs), der einen nachhaltig beeindruckt.

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Der Klassiker / the classic view

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Die Minarette sind übrigens alle mit einem leichten Winkel nach außen gebaut worden, so dass sie im Falle eines Erdbebens nicht auf das Gebäude fallen / The minarets are built with a slight angle towards the oustide, so that, in case of an earthquake, they wouldn’t destroy the moument

Ein Grund, weshalb das Mausoleum so eine Wirkung entfaltet, ist seine exakte Symmetrie. Egal, von welcher Seite man es betrachtet: es ist symmetrisch. Der weiße Marmor sieht wunderschön aus, und wahrscheinlich macht er sich vor einem blauen Himmel noch viel besser, aber leider ist auch in Agra der Himmel im Winter dunstverschleiert, obwohl es für die Industrie zahlreiche Auflagen gibt. Im Prinzip ist jegliche größere Industrie sogar verboten, und man darf mit dem Auto auch nicht direkt zum Taj Mahal fahren, aber gegen das Abbrennen der Felder kommt man anscheinend doch nicht an. Deswegen färbt sich der weiße Marmor gelb, und seit einigen Jahren wird der Taj Mahal gereinigt (per Hand, um nichts zu zerstören) – daher der leichte Farbunterschied zwischen Kuppel und Wänden.

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Mein guide wartete immer wieder mit interessanten Details auf, was sehr praktisch war, denn ich hätte mir wahrscheinlich nicht alles vorher durchgelesen. Anfangs war es allerdings etwas gewöhungsbedürftig – normalerweise bin ich diejenige, die die Leute rumführt. 🙂 Ein bisschen enttäuscht schien der guide, weil ich den vor Ort arbeitenden professionellen Fotografen klar gemacht habe, dass ich keine zehn verschiedenen Fotos von mir vor dem Taj Mahal brauche, sondern maximal eines zur Erinnerung möchte. Nachdem aber der Fotograf verärgert abgedampft war, fühlte sich mein Begleiter dafür verantwortlich, dass ich auf meinen Fotos zu sehen bin, und er fragte immer öfter nach der Kamera. Beim Lady-Di-Foto habe ich mich dann doch verweigert.

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Früher muss der Taj Mahal übrigens wesentlich bunter gewesen sein, weil unter anderem noch viel mehr Edelsteine verarbeitet waren, die leider diversen Raubzügen zum Opfer gefallen und am Ende in den Taschen des einen oder anderen englischen Kolonialherren gelandet sind. Aber die Marmor-Intarsien, die noch vorhanden sind, geben einen kleinen (und sehr beeindruckenden) Einblick, wie es früher ausgesehen hat. Im Inneren gibt es Blumenintarsien, die aus über 40 einzelnen Blütenblättern bestehen, alle handgeschliffen (hach, ich könnte noch viel mehr über das Mausoleum erzählen, das würde aber den Rahmen sprengen).

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Nachdem wir entspannt über das Gelände gelaufen waren, war mir leider ziemlich schlecht und ich konnte nicht genau sagen, ob es durch ein Mittagessen besser oder schlechter werden würde. Wir legten einen Zwischenstopp in einem sehr leckeren Restaurant ein, wo ich schweren Herzens nur wenig vom Buffet essen konnte (bezahlen musste ich trotzdem). Mein guide hingegen futterte munter drauf los und war auch sonst recht vergnügt. Ich hingegen hätte mich liebend gern auf dem Rücksitz des Autos zusammengerollt.

Im Anschluss klapperten wir vier Geschäfte mit unterschiedlichen Kunsthandwerken ab. Darauf muss man sich wahrscheinlich einstellen, wenn man eine Tour bucht. Während ich bei den ersten noch klarmachen konnte, dass ich zwar das Handwerk faszinierend finde, aber leider nicht die finanziellen Mittel habe um einen handgeknüpften Teppich zu kaufen (nein, auch keinen ganz kleinen!), hat mich das letzte so beeindruckt, dass ich mit meinem restlichen Geld (Kreditkarte hatte ich zu meiner Freude und zum Unverständnis aller Verkäufer in Delhi gelassen) einen kleinen Marmorelefanten für die Daheimgebliebenen gekauft habe. Elefanten bringen nämlich Glück, und besagtes Geschäft war eine Kooperative, um das traditionelle Herstellen der Marmorintarsien zu fördern. Für diese Intarsien braucht man einen shaper (zum Formen der Edelsteine) und einen carver (zum Schnitzen des Marmors, in den die Edelsteine dann eingebettet werden), und die Techniken, die dort gelehrt werden, sind die gleichen, mit denen auch im 17. Jahrhundert der Taj Mahal gebaut wurde. Obwohl ich normalerweise gar nicht der Typ für solche Art von Möbeln bin, so war ich von den verzierten Marmortischen echt begeistert und seltsam berührt- die sahen einfach wunder-, wunderschön aus! Würde man die gleichen Tische unter gleichen Bedingungen in Deutschland herstellen (alles Handarbeit!), dann wären sie vom Preis her unverkäuflich. (In Agra kostet so ein Tisch ca 400 Euro und die Verschiffungskosten werden durch die UNESCO erlassen). Fotos durfte ich dort allerdings nicht machen.

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Als zweiten Höhepunkt des Tages haben wir uns noch das Agra Fort angeschaut, in dem die Großmogule im 17. Jahrhundert residiert haben. Das ist zwar nicht aus weißem Marmor, sondern aus rotem Sandstein gebaut, ist aber ebenfalls sehr beeindruckend. Mein guide hatte inzwischen so viel Gefallen an meinem Fotoapparat gefunden, dass ich immer weniger Möglichkeit hatte selber Fotos zu machen. Aber auch hier hat er immer wieder interessante Details zum Besten gegeben und wir hatten Spaß, vor allem, als wir unsere Erfahrungen als Reiseleiter austauschten (falls hier jemand aus Australien mitliest: es tut mir leid, aber die Australier sind leider weltweit für die schlechtesten Trinkgelder bekannt….).

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Unbeschönigt: der Blick zum Taj Mahal / The view of the Taj, with smog

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Mein guide wurde experimentell / my guide started to experiment with my camera

Am Spätnachmittag fuhr ich dann mit dem Zug zurück nach Delhi. Ein kurzer Sorgenmoment angesichts meines fast leeren Handyakkus wurde behoben, da ein netter indischer Familienvater mir sein Ladekabel für die Zugfahrt lieh, so dass ich abends in Delhi auch wieder wohlbehalten mit einem Uber im Hotel ankam (wobei es ein recht schwieriges Unterfangen ist, im Dunklen in dem allgemeinen Verkehrschaos vor einem indischen Bahnhof das Auto mit dem richtigen Kennzeichen zu finden!). Abends fiel ich ziemlich geschafft, mit Kopfschmerzen und grummelndem Magen ins Bett.

 

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Well, it’s a good thing I didn’t expect to get a week full of relaxation and rest. Slowly but steadily, the short nights started to wear me down, and the last night wasn’t an exception as I had made the mistake to drink a cup of chai tea before going to bed, which kept me awake until after midnight. When I was finally falling asleep, I suddenly remembered that I forgot to wash my feet….after my visit in the Hindu-Tempel it was indeed a reason to get up again (an action which is unfortunately not understood by all of my family members…).

On the morning of the 5th day, I had to get up early as I wanted to go to Agra to visit the Taj Mahal. Since I couldn’t really say how much traffic I’d face on a Monday morning in Delhi, I ordered an Uber earlier than necessary and arrived at the Nizamuddin train station with enough time to drink a coke before entering the train. There is a direct fast train from Delhi to Agra which only takes 1,5 hours whereas you need to plan at least 3 to 4 hours by car for one way. So, shortly after 8am I was on my way south, passing small corrugated metal huts where people were cooking breakfast over an open fire. The sun was barely visible, which was on the one hand due to the morning fog, but on the other hand due to the smog. After a while, I fell asleep – I felt really tired and sick.

 When I arrived at the train station in Agra, I was very grateful that Karsten had found a tourist guide agency in Agra, so I had a guide picking me up directly at the train and driving me to the Taj Mahal. Once you get off the train in Agra, you are surrounded by a crowd of taxi drivers, tuktuk drivers and guides who try very hard to convince you of their services. Either you need strong nerves or you should be experienced and hard-boiled – or you should have a guide at your side, otherwise Agra will exhaust you very much.

Once we passed the crowd of drivers and guides, we went to the Taj Mahal. A few months ago, I would have never expected that I would stand in front of this amazing monument before the end of this year. The Taj Mahal (which is no palace, by the way, but the tomb that the great mogul Shah Jahan had built for his favourite wife) is one of the most popular sights in the world and attracts millions of visitors each year.  But despite the never ending flow of tourists, it stays a remarkable and breathtaking place.

One reason for the incredible beauty of the Taj Mahal is its exact symmetry. No matter from which side you look at it: it’s symmetrical. The white marble looks beautiful and I am sure it looks even greater in summertime when the sky is in fact blue and not grey due to the smog. Agra already has a lot of restrictions regarding industrial development (in fact, there is basically no industrial development allowed around the city) and cars are forbidden in the close proximity of the Taj, but the smog continues to be a thread because of the traffic and the burning of the crop in wintertime. Slowly, it turns the white marble yellow, and there is some cleaning work going on right now which is the reason why the dome has a different colour than the rest. The cleaning is, by the way, done entirely by hand in order to work as careful as possible.

I was quite happy to walk around with a guide, even though I had to get used to it at first (normally, it’s me who is guiding). But he told me so many interesting details which I probably wouldn’t have read beforehand. He seemed a little disappointed though when I refused to hire one of the local photographers who offer to take ten or more different pictures of you and the Taj. When I insisted that one picture would be totally sufficient, the photographer left (a little bit annoyed), and my guide suddenly felt the responsibility to take pictures of me. I stopped him when it was about posing for the Lady Di picture 🙂

When it was built, the Taj Mahal must have been much more colourful than today, by the way. Apparently, there were much more gems used as decoration, which ended up in the bags of the british Colonial masters. But the gems which are still there give you a small (and impressive) insight about the former glory and value of this place. Especially inside the mausoleum, there are flowers made of more than 40 different petals, all gems shaped and carved into the marble by hand.

After walking around the Taj, I unfortunately felt really sick and I couldn’t really say whether lunch would make it better or worse. We stopped at a very nice restaurant which I would have had enjoyed very much, but on this day I was only able to eat some rice and chicken (while my guide happily tried a variety of the buffet, which I had to pay for anyway).

Afterwards, we visited four different craftsmen shops. I guess, it’s something one has to deal with when booking a guided tour. While I was able to convince the first craftsmen that I find their work fascinating, yet I don’t have the financial means to buy a hand-knotted carpet (no, not even a small one), I was so impressed by the last one that I collected all my money that was left and bought a small marble elephan with gem inlays for my family back home. In India, elephants are a sign of good luck, and the shop was a cooperative which supported the apprenticeship for the traditional marble inlays. For these inlays, you need a shaper (who shapes the gems by hand) and a carver (who carves the marble by hand so that the gems can in included), and both craftsmen still work the same way the workers in the 17th century did. Although I’m normally not the type of person who would buy marble furniture, some of the decorated tables they showed were truly, truly beautiful and I felt strangely touched. If you would produce the same type of table in Germany, using the same techniques (handmade!), you wouldn’t be able to actually sell them because they would be far to expensive. In Agra, one table costs around 400 Euros and the shipping fee is covered by UNESCO in order to support the craftsmenship. Unfortunately, I wasn’t allowed to take any pictures.

The second highlight of the day was our visit of the Agra Fort, which used to be the official palace of the mogul emperors in the 17th century. Though it is not built out of white marble, the red sandstone is almost equally impressive and there are some fine decorations. My guide got more and more interested in my camera, so that I was rarely allowed to take pictures myself. But he also told me a lot of interesting details again and we had a lot of fun comparing our guiding experiences (if you are an Australian reading this: please note that Australians have a terrible repution worldwide when it comes to tipping guides :-).

 In the late afternoon, I took the train back to Delhi. There was a short moment of panik when I discovered that the batterie of my mobile phone was almost dead though I needed it to get an Uber. But a very friendly Indian father lent me his charger for the train ride, so that I managed to make my way back to the hotel safe and sound (though finding the Uber with the right license plate in the chaotic traffic in front of a train station is a very challenging undertaking, I assure you!). I went straight to bed, with a headache and a rumbling stomach.

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Indien, Tag 4 / India, day 4

(English version follows below)

Der Morgen danach….kaum Katerstimmung (man erinnere sich, dass die Frauen in Indien nicht trinken), aber trotzdem Augenringe, da das B&B einen Buchungsfehler für diese eine Nacht hatte und ich für eine Nacht auf dem Sofa im Wohnzimmer geschlafen habe. Das tat der Qualität der Bleibe und der Freundlichkeit der Besitzerin keinen Abbruch (ich hätte mir auch für die Nacht ein Hotelzimmer nehmen können, dazu war mir aber der Aufwand zu groß), aber die Nacht war deshalb doch eher kurz, da direkt neben mir der Frühstückstisch stand.

Nachdem ich nun die ersten Tage auf der Hochzeit meiner Freundin war und tagsüber unerwartet wenig Zeit blieb um sich die Stadt anzugucken, hatte ich für heute einen Tag im Stadtzentrum von Delhi geplant. Der genaue Plan war: zum Connaught Place fahren, dort ein Ticket für den Hop-on-hop-off Bus zu kaufen, dann in den Bus einzusteigen und an entsprechenden Sehenswürdigkeit lockerflockig aussteigen und Tourist spielen. Old Delhi mit dem Basar und der großen Moschee hatte ich bewusst erst für den letzten Tag eingeplant, um mich erstmal in der Stadt zurecht zu finden.

Nun ja, ich weiß nicht, ob sich überhaupt jemand in Delhi zurecht findet. Ich wage es zu bezweifeln. Und mal vorneweg gesagt: hier wird’s keine wunderhübschen, pittoresken Fotos von bunten Obstständen, vollen Gewürzsäcken und leckerem Essen geben. Ich mache unglaublich gerne Fotos und hatte mir von Indien ehrlich gesagt einige sehr schöne Motive erhofft. Aber ich war viel mehr damit beschäftigt, meinen Weg zu finden, diverse indische Männer abzuschütteln und aufzupassen, dass mein Rucksack im Gewühl nicht verloren geht, als dass ich die Muße hatte, für Fotomotive zu verweilen. Zumal einem der Smog sowieso einen Strich durch die Rechnung macht, was farbenfrohe Bilder angeht….

Immerhin habe ich mich ins volle Leben gestürzt und bin erst mit einem Tuktuk zur nächsten Metrostation getuckert, und dann mit der Metro ins Stadtzentrum zum Connaught Place (dem von den Briten schachbrettartig geplantem Stadtteil) gefahren. Metro fahren ist in Delhi übrigens das schnellste Fortbewegungsmittel, zumindest was längere Strecken angeht. Die Metro ist modern und es gibt seit einiger Zeit an einem Ende des Zuges einen Wagen nur für Frauen, was das Metrofahren unglaublich angenehm macht!

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Am Connaught Place angekommen umfängt einen der Wahnsinn einer indischen Großstadt: Menschenmassen, Autos, Affen, Tuktuks, Straßenhändler, Bettler und eine dichte Wolke aus Abgasen. Die Smog-Situation im Zentrum von Delhi ist tatsächlich schlimm, nach kürzester Zeit beginnen einem die Augen zu brennen, man bekommt Kopfschmerzen und Reizhusten.

Ich ließ mich zuerst treiben, merkte aber bald, dass man sich als Frau nicht wirklich treiben lassen kann, weil man ständig Begleiter hat, die einen ins Gespräch verwickeln und irgendwo hinführen wollen. Alle waren sehr nett und freundlich, aber auf die Dauer ist es doch anstrengend. Nachdem ich die ersten zwei erfolgreich abgeschüttelt hatte, erwies sich der dritte als besonders hartnäckig und ich floh in das Indian Coffee House um einen imaginären Freund dort zu treffen (während mein Begleiter mir versprach, davor zu warten….ähäm….). Das Coffee House, das im Reiseführer mit “man fühlt sich zurückversetzt in alte Zeiten” beschrieben wurde, war spartanisch, leicht schmuddelig und lud meiner Meinung nach nicht sehr zum Verweilen ein (ich fühlte mich durch entsprechende Schilder bestätigt).

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Das Logo vom Indian Coffee House – die Werbewirksamkeit ist zweifelhaft / The logo of the Indian Coffee House – with a questionable marketing value

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Smog über Delhi / smog in Delhi

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Nachdem ich also wieder genug Kraft geschöpft hatte, machte ich mich auf die Suche nach dem Hoho-Bus, den ich aber nicht fand. Da sich schon wieder der nächste Begleiter an meine Fersen heftete, lief ich kurzerhand zur Jantar Mantar, einer alten Sternwarte und schaute mir die Arbeiten dort an.

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Und plötzlich hatte ich Appetit auf Eis / And suddenly I was craving for ice-cream

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Anschließend machte ich mich mit der Metro auf den Weg zum Lotus Tempel. Das ist einer der wenigen Bahai Tempel, die es weltweit gibt, und ich hatte meinem Bruder versprochen, ihm einen Besuch abzustatten. Die Grundidee der Bahai ähnelt der Ringparabel aus Nathan dem Weisen, nämlich dass alle Menschen im Prinzip an den gleichen Gott glauben und die verschiedenen Religionen einfach auf verschiedene historische Umstände zurückzuführen sind. In der Metro traf ich jedoch erstmal eine junge Frau aus der französischen Schweiz, die sich den nahegelegenen Hindu-Tempel anschauen wollte und der ich mich spontan anschloß.

Vor dem Hindu-Tempel war viel los und wir waren die einzigen Touristen. Gemeinsam mit vielen anderen gaben wir unsere Schuhe vor dem Eingang ab und gingen barfuß in die Tempelanlage. Gleich hinter dem Tor wurde es voll. Richtig voll. Wir schoben uns dicht gedrängt durch enge Gassen, an deren Seiten Blumenketten und diverse andere Gebetsutensilien verkauft werden. Der Boden war schlüpfrig und ich möchte gar nicht wissen, über was ich da alles barfuß gelaufen bin. Hinter einem Gitter schob sich eine drängelnde Menschenmasse entlang – dort ging es in den Innenbereich des Tempels. Auf unsere Frage, wie lange es dauern wird, um dort  hineinzukommen, hieß es “ein bis zwei Stunden”. Mann, waren dort viele Menschen. Ich würde mal schätzen, an die tausend. Immer wieder wurden wir ruppig auf Taschendiebe aufmerksam gemacht. Bei dem Gedanken, was hier passieren würde, wenn eine Panik ausbrechen würde, bekam ich Muffensausen und drängte mich wieder nach draußen. Puh.

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Wir versuchen stattdessen unser Glück beim Lotustempel. Aber auch hier reihten wir uns bereits 300 Meter vor dem Eingang zum Gelände in eine Menschenschlange ein. Wobei in dem Fall das Schlangestehen ganz angenehm war, um in Ruhe das Geschehen auf der Straße zu beobachten. Überall standen kleine Garküchen oder Holzkarren mit frischen Kokosnüssen, Tuktuks ratterten vorbei, Kühe suchten im Müll nach etwas Essbarem, Leute boten Schmuck und Selfie-Sticks an und um uns herum warteten Familien mit Kindern, Pärchen, alte Männer und Frauen und sogar ein paar einzelne Touristen. Langsam aber sicher bewegten wir uns auf das Tempelgelände, und dort in einer fortlaufenden Schlange zum Tempel hin, in den Tempel hinein und wieder aus dem Tempel heraus. Es stellt sich heraus, dass Sonntags der denkbar schlechteste Tag für einen Tempelbesuch ist, weil der Großteil der indischen Bevölkerung dassselbe vorhat. Dass der Lotustempel so stark frequentiert war, liegt übrigens daran, dass viele Inder nach ihrem Besuch im ihrem eigentlichen Tempel (oder der Moschee) aus reinem Interesse noch den Bahaitempel besuchen. Es ist tatsächlich ein Treffpunkt für Menschen aller Religionen, und noch dazu durch das Sprechverbot im Inneren einer der ruhigsten Orte Delhis, was mir sehr gefallen hat.

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Grau in grau….der Lotus-Tempel im Smog / Grey, grey, grey….the lotus tempel with a lot of smog

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Inzwischen war es Spätnachmittag und die Sonne senkte sich langsam herab, sodass ich mich auf den Rückweg machte, um nicht zu lange alleine durch die dunkeln Straßen laufen zu müssen. Vorher gab es aber noch eine frische Kokosnuss am Straßenrand….mmmh! Zwei Metrofahrten, einigem Gefeilsche und einer rasanten (und etwas kalten) Tuktukfahrt später verbrachte ich den Abend entspannt mit meinen Gastgebern im Hotel, trank Chai und versuchte, den Smog des Tages aus meinen Lungen zu husten.

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The morning after…..no hangover (remember that most women in India officially don’t drink), but dark circles around the eyes nevertheless as there was a double booking at the B&B so that I slept on the couch in the living room that night (which didn’t make the stay any less pleasant. I had the chance to book into a hotel for this one night but decided that it’s not worth the trouble).

While the first three days in Delhi had been reserved for the wedding (and there had been surprisingly little time during the days to walk around and do sightseeing), I had planned to see a bit of the city and the surroundings on my last days. For this day, my idea was to go to Connaught place, to buy a ticket for the hop-on-hop-off bus, to enter the bus and enjoy a ride to all the important sights while I can sit and watch and to get off wherever I feel like getting off. I left Old Delhi, the basars and big mosque for the last day as I knew I wouldn’t be able to do all in a day.

Well, I’m not sure how much people are able to do in a day anyway. Not much, I suspect. And to tell you right from the beginning: you won’t find any beautiful, pittoresque photos of colourful fruit stalls, overflowing spice bags or delicious street food here. I really love to take pictures and I was hoping for some great motives in India. But in Delhi, I was more occupied with finding my way around, leaving various involuntary companions behind and taking care of my backpack. With so many people staring at me and talking to me, I was feeling to overwhelmed to ask if I could take pictures (and I don’t like taking pictures of people without asking).

At least, I dived into the street life, took a tuktuk to the nearest station and then the metro to the city centre. The metro is, by the way, the fasted way to get around, at least when you are trying to cover larger distances. It’s modern and cheap and there is a special wagon only for women at the end of the train, which makes it so much more comfortable!

At Connaught Place, which is the part of Delhi designed by the British, you are immediately surrounded by the craziness of an Indian mega city: crowds of people, cars, monkeys, tuktuks, street hawker, beggars, street children and a thick layer of smog covering it all. The pollution in Delhi is really, really bad and even after a short time, your eyes start to burn and you’ll not only get a headache but also a dry cough.

My first intentions was to just go with the flow, but after some time I realised that going with the flow is not that easy when you are a woman. I was never alone, there was always someone male walking with me, talking to me, trying to make money or referring me to one of his friends who happens to be a guide/taxi driver/seller/cook/…Everyone was very friendly, I never felt threatened. However, it is kind of exhausting after a while and the best way to avoid all the company is to have a plan where to go. With one very persistant guy at my side, I spontaneously decided to meet an imaginative friend at the Indian Coffee House (while the companion assured me to wait outside….mh…). The Coffee House, which was described in my guide book as “travelling back in time”, was spartanic, a bit run-down and did not really invite for longer stays (which was underlined by the according signs….see photo). After some coffee and a dosa, I felt strong enough to continue my search for the hoho-bus – which turned out unsuccessfull. As I already had a new companion at my side, I visited the Jantar Mantar which is an old astronomic observatory.

Afterwards, I took the metro to the Lotus Tempel. Said tempel is one of the few Bahai Tempel in the world, and I had promised my brother to take a picture. One of the basic ideas of the Bahai is that, in the end, every religion believes in the same god and that the various religions are based on different historic circumstances. So basically, it doesn’t matter which religion you belong to, which is a good and peaceful approach in a world like ours. Before I went to the Lotus tempel, however, I joined a young Swiss woman I met on the metro who was on her way to visit a nearby hindu tempel.

There was a lot going on in front of the tempel and we happened to be the only tourists around. Together with many others, we left our shoes at the entrance and continued barefoot. Right behind the entrace to the tempel area, it got crowded. Really, really crowded. I would guess, there were at least one thousand visitors there. We tried to make our way through the narrow lanes which were bordered by people selling strings of flowers, food and various religious items. The floor was slippery and I don’t even want to know all the things I stepped into. Every now and then, someone shouted at us in order to make us aware of pickpocketers. Behind a fenced lane, people were pushing forward in a long queue which happened to be the way into the centre of the tempel. How long would it take to get inside? One or two hours, the people guessed. I looked at the crowd pushing against the fence and I wondered what would happen in case of a mass panic. That was it. I got scared. Time to leave.

Instead of proceeding further into the hindu tempel, we tried our luck with the lotus tempel. By now, we had been informed that Sunday is the worst possible day in India to visit a tempel as most of the Indian population will have the same idea. It turned out that the same applied for the Bahai tempel, although there aren’t actually that many Bahai. But many people will go to their own tempel first and then visit the Bahai tempel out of interest afterwards. So we joined the queue along the street and moved slowly but steadily towards the entrance gate while watching the street life. It is quite interesting to queue and being able to watch everything that is going on the streets. Little food stalls, wooden waggons with coconuts, people selling necklaces or selfie sticks, tuktuks driving by and, waiting together with us in line, a variety of different people, families, couples, old men and women, and in this case even some tourists. After entering the tempel area, the queue didn’t dissolve but went on like a long snake towards the tempel, then inside the tempel and then outside again. Inside, there was some time to sit down and relax though, and as you are not allowed to talk in there, it might just be the calmest place you can find in Delhi. I really enjoyed the visit, especially because there were people from so many backgrounds and religions visiting and pausing for a moment.

When we got out again, it was already late afternoon and the sun was beginning to set. Time for me to make my way back so I wouldn’t have to walk alone in the streets once it was dark. But before I took the metro again, I had a fresh coconut at the street….mmmmh. After some haggling and an exciting (and chilly) tuktuk ride home, I spent the rest of the evening talking to my hosts, drinking chai and trying to cough up the smog of today.

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Indien, Tag 3 / India, day 3

(English version follows below)

Nach zwei Tagen Hochzeitsfeierlichkeiten in Delhi kam nun am dritten Tag das große Finale und die eigentliche Hochzeitszeremonie. Apropos Zeremonie: am Abend vorher hatte mir ein Inder glaubhaft versichert, dass zwar generell die Definition von Zeit in Indien relativ sei, dass man aber immer pünktlich ist, sobald das Ereignis religiös ist.

Dem Ratschlag folgend fand ich mich also um kurz vor drei in der Wohnung der indischen Familie ein, zusammen mit einigen anderen. Zuvor hatte mir die Frau meines B&Bs geholfen, mich gekonnt in meinen Sari zu wickeln (der immerhin aus ca sechs Metern Stoff besteht). Ob ich das jemals wieder ohne Hilfe schaffe, bezweifel ich. Auch das Laufen und Sitzen war etwas ungewohnt – zur Sicherheit wurde der Stoff an mehreren Stellen mit Sicherheitsnadeln befestigt, so dass ich auch auf der Toilette keine Probleme haben sollte.

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Der Sari,bestehend aus einem Unterrock, einer bauchfreien Bluse und einem sechs Meter langem Seidenstoff / The sari, including an underskirt, and short blouse and a six meter long silk cloth

Gegen halb vier verließ die indische Verwandschaft plötzlich den Ort des (geplanten) Geschehens…eine halbe Stunde nachdem eigentlich die Zeremonien mit dem Bräutigam losgehen sollten (die Braut weilte zu der Zeit schon wieder seit Stunden im “Beauty Salon”). Ein interessiertes Nachfragen ergab: die Tanten würden sich jetzt fertigmachen, eventuell noch zum Friseur gehen und vielleicht auch noch eine Massage machen lassen. Ach so, aha, Massage. Bin ich doch mal wieder auf dieses Zeit-Dingens reingefallen.

Gegen fünf Uhr ging es auf einmal los – der Bräutigam saß wahlweise mit seinen Cousins oder seinen Eltern vor einem Priester und diversen hinduistischen Gebetsutensilien, es wurde mit Räucherstäbchen geräuchert und vor sich hin gemurmelt. Das Ganze war eine spannende Mischung aus religiöser Wichtigkeit und Alltagsprofanität, denn während die Zeremonie stattfand, wurde immer wieder telefoniert und aufs Handy geschaut, es war ein Kommen und Gehen, der Fotograf und der Kameramann waren direkt neben vor dem Bräutigam positioniert. Irgendwann wurde der Bräutigam mit Ketten aus Geldscheinen behängt und ein wichtiger Teil schien darin zu bestehen, dass die Familienmitglieder über seinem Kopf Geldschein schwenkten, sie dann in die Mitte warfen und ein Foto mit dem Bräutigam machten.

(An dieser Stelle sei bitte nochmal vermerkt, dass ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe, was für Zeremonien genau stattfanden und das soll in keinster Weise als Zeichen von Ignoranz gewertet werden, sondern es blieb einfach keine Zeit, sich alles erklären zu lassen. Insofern habe ich es einfach als Beobachter auf mich wirken lassen, ohne zu wissen, was vor sich ging).

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Als genug Geldscheine geschwenkt wurden, ging draußen vor dem Gebäude plötzlich Getrommel los und es wurde spannend. Inzwischen war es dunkel (wir waren laut Plan über zwei Stunden zu spät) und alle versammelten sich um die Trommler. Es wurde nahezu ekstatisch getanzt, vor allem von den jungen Männern (zu einem Zeitpunkt hatte der eine Cousin mehrere Geldscheine zwischen den Lippen und versuchte eine Art Limbo unter der Trommel durch, das war sehr faszinierend und ich staune, dass sich jemand überhaupt traut, die Geldscheine an die Lippen zu nehmen). Wir bewegten uns als Gruppe tanzend und sehr langsam Richtung Straße, wobei immer wieder gestoppt wurde um noch ekstatischer zu tanzen. Spannend wurde es, als mal wieder der Kameramann an der Gruppe von Nicht-Indern vorbeikam, der Scheinwerfer auf uns gerichtet wurde und alle riefen “Dance!! Dance!!” und wir minutenlang für die Kamera tanzen mussten, während die Trommler immer noch eine Runde und noch eine Runde trommelten.

Als wir unseren Weg an die Straße getanzt hatten, löste sich alles in Luft auf und alle fuhren zur eigentlichen Feierstätte. In Neu-Delhi gibt es entlang des Flughafens eine ganze Straße, in der ein Hochzeitspavillon nach dem anderen aufgebaut ist, die ab Anfang Dezember nahezu jeden Abend ausgebucht sind. So ein Veranstaltungsort involviert viel Schmuck und viele farbige Scheinwerfer, aber in unserem Fall auch sehr schöne Sitzgruppen und Zelte und überall aufgebaute Buffet-Stationen mit diversen indischen Köstlichkeiten.

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Eine Weile nachdem wir angekommen waren tauchte auch endlich die Braut auf – sie war im Verkehr steckengeblieben, wobei sie anscheinend selber der Grund für den Stau war: eine weiße Frau in indischem Brautkleid sieht man halt doch nicht all zu häufig. Da kaum Verwandschaft von Seiten der Braut vor Ort war, wurden wir Freundinnen kurzerhand in den Hochzeitszug mit eingebunden und begleiteten die Braut unter einem Baldachin zu den Sitzen, wo die Trauzeremonie stattfand. Dort angekommen nahmen Braut und Bräutigam Platz, die Eltern saßen an beiden Seiten und wir standen etwas unsicher herum, da wir nicht genau wussten, ob wir dabeistehen durften oder nicht. Aber auch hier stellte sich heraus: während das Brautpaar, die Eltern und der Priester konzentriert ihrer Sache nachgingen, herrschte zwischen den übrigen Gästen ein reges Kommen und Gehen. Ungefähr 80 % der Gäste vergnügte sich sowieso bereits am Buffet.

Um das Ganze zusammenzufassen: das Brautkleid war umwerfend und exotisch (und anscheinend sehr schwer, da aus Samt), die Zeremonie involvierte viel Reis ins Feuer werfen und Sachen essen und Sachen weiterreichen. Zu einem Zeitpunkt wurde der Priester mehrmals vom Brautpaar umrundet. Zu einem anderen Zeitpunkt herrschte kurz Nervosität, weil das Feuer so groß wurde, dass das Brautkleid fast in Flammen aufging. Und zu einem wieder anderen Zeitpunkt haben wir das Brautpaar mit Blütenblättern beworfen. Was dann folgte, war ein Foto- und Filmmarathon für das Brautpaar, der gefühlt den ganzen Abend anhielt, während die anderen Gäste tanzten und aßen. Als sich alle nach Mitternacht auf den Rückweg machten und nur die Kernfamilie blieb, um nach dem reichhaltigen Buffet das Familiendinner abzuhalten, da saß das Brautpaar immer noch auf den Stufen der nachgebauten Burg und musste modeln.

Was für eine aufregende und exotische Hochzeit – so ganz anders als alle Hochzeiten, die ich bisher erlebt habe. So farbenfroh, so laut und so viel Getanze! Was bin ich froh, dass ich dabei sein dürfte!

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Für die offiziellen indischen Hochzeitsfotos / For the official Indian wedding pictures

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Ich im Sari mit der “organisation auntie” / Me in a Sari with the organisation auntie

Das Brautpaar bekommt übrigens die Rohdateien des Fotografen um sich die Bilder aussuchen, die sie haben wollen. Na dann viel Spaß 😉

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After two days of wedding celebration in Delhi, it was time for the big finale and the actual wedding ceremony. Talking about ceremonies: the day before, an Indian guests had convincingly assured me that the concept of time is, indeed, relativ in India but that Indians are always on time as soon as you add some religious meaning to the occasion. So the wedding ceremonies should actually begin at the time that was written on the invitation.

Following up on that advice, I arrived safe and sound and on time at the apartment of the groom’s parents, wearing my Sari. The lady of the lovely B&B I was staying at had helped me getting dressed. After all, a Sari is basically a six meter long cloth which is wrapped around your body in quite an artistic way. I doubt that I’ll ever be able to put it on by myself, and walking and sitting in a Sari was a little bit odd at first, but very soon it felt quite comfortable. To be on the safe side, we used several safety pins so that I wouldn’t have any unfortunate incidents.

Half an hour after the ceremony regarding the groom was supposed to start, the Indian family suddenly left the place to be (at that time, the bride had already been at the beauty salon for hours). A short investigation revealed: the aunties would get ready now, maybe they’ll swing by the hair dresser and maybe they’ll get a massage before the wedding starts, because after all, the dancing is quite exhausting if you do it for three evenings straight. A massage, ah, well. Once again, I was taken in by the concept of time.

Around five o’clock, it suddenly started – the groom sat down in front of a priest, accompanied by his parents and one or two cousins. There were several hinduistic prayer utensils, incense sticks were burning, words were murmered. The whole thing was an exciting mixture of religious seriousness and mundane actions, as it was actually a constant coming and going. People were on their phones, talking and the camera guy and photographer with their spotlights were positioned right next to the priest. At one point, the Indian guests were putting necklaces made out of paper money on the groom and an important part seemed to involve waggling paper money above his head, throwing it into the middle and then having a picture taken with him.

(At this point, please note that I actually have no knowledge about the meaning of most ceremonies that had been going on and it is not at all intended to be a sign of disrespect but there was simply no time for explanations. That’s why I simply observed what was going on, without understanding most of it).

After the paper money waggling, some serious drumming started outside the building  and the party started. By now it was dark outside (according to the plan, we were two hours late) and everything gathered around the drummers: especially the young men started to dance and the louder the drums were, the more ecstatically the dancing got ( there was one moment when one of the cousin had a bunch of paper money between his lips and tried to do a limbo with the drums, and I was not only impressed by his dance moves but also by his courage to actually put the money in his mouth). As a group, we moved slowly and in a dancing manner towards the street, always being filmed by the camera guy. For the non-Indian it got very exciting when suddenly the spotlights were pointed at our group and people shouted “dance! dance!” and we had to dance for the camera for minutes while the drummers were doing one drum finale after the other.

After having danced our way to the main street, everything stopped and everyone started to get into cars to go to the actualy wedding venue. In New Delhi, there’s a long street along the airport where you can find one wedding venue after the other which are booked almost every evening in December as it is the main wedding season in India. Such a wedding venue involves a lot of lights and decoration and flowers, and in our case some lovely sitting arrangements and tents under the full moon, and not to forget all the different food stations around the place offering a delicious buffet.

A while after we arrived, the bride finally arrived too – she got stuck in the traffic, whereas it seems that she was partly the reason for the traffic: an American woman in an Indian wedding gown is still an unusual sight in Delhi. Since there weren’t many relatives from her side at the wedding, her friends (including me) were spontaneously involved in walking her underneath a baldachin from the entrance to her husband and the place of the ceremony. Having arrived there, we were a little unsure about what to do now and whether we are allowed to stay and watch. But similar to the grooms’ ceremony earlier that day it turned out that the guests were quite free to come and go, while it was mainly the bride and groom, the priest and the parents who were concentrating on the events. I would say that about 80% of the guests were already enjoying the food and the drinks at that time ( which is really an interesting contrast to the strict venue of all the European weddings I have attended so far).

To wrap up the evening: the wedding gown was simply amazing and exotic (and apparently very heavy as it was velvet). The ceremony involved a lot of rice being thrown into a fire, eating things and passing things on. At one point, the bride and groom were circling the priest several times. At another point, the fire got too big and everyone feared that the bride would catch fire. And at yet another point of the evening, we were all throwing petals on the bridal couple. The ceremony was followed by a long photo- and video marathon for the bride and groom, which lasted almost the whole evening (interrupted by some smaller ceremonies and group pictures), while the rest of the wedding party was enjoying good food and dancing. Most of the guests started to leave shortly after midnight, when the closest family gathered for a family dinner. At that time, the bridal couple was still out there, sitting on the stairs of a small castle, posing for the photographer.

It was such a great experience to be part of the celebration – so different from any other weddings I have seen, with so much colour, so much food and so much dancing going on! What a once-in-a lifetime event!

 

 

 

 

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Indien, Tag 2 / India, day 2

(English version follows below)

Die zweite Nacht in Delhi war genau so kurz wie die erste: da es am Vorabend spät geworden war und der Akku meines Handys fast leer war, schlief ich auf Anraten des Bräutigams statt im B&B bei einer Bekannten im nahegelegenen Hotel. Nachts alleine in Delhi unterwegs zu sein ist als alleinreisende Frau nur bedingt ratsam, und wenn, dann nur mit funktionsfähigem Handy. (Das einfachste Fortbewegungsmittel für längere Strecken durch den Stadtverkehr ist in Delhi übrigens Uber – vor allem, weil es einen festen Preis anzeigt und per GPS verfolgt werden kann).

Der Tag verging mit dem alltäglichen Wahnsinn in Delhi: viel im Stau stehen, nicht endend wollendes Gehupe (ironischerweise haben ja alle Tuktuks und Transporter hinten die Aufschrift “Horn please”, damit sie merken, wenn jemand von hinten überholt) und Kühe auf den Straßen. Vieles, was ein paar andere Hochzeitsgäste überforderte, kam mir von anderen Reisen noch seltsam vertraut vor. Die fehlenden Gehwege. Der Dreck am Straßenrand. Die Menschen, die überall im größten Trubel auf dem Boden liegen und schlafen. Die Blicke, die man als weiße Frau automatisch auf sich zieht. Aber auch die Obststände, die bunten Gewänder, die Fähigkeit, aus allem etwas machen zu können, das Feilschen und der entspannte Umgang mit Zeit (der zugegebenermaßen auf Dauer eine Herausforderung sein kann).

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Auch vertraut, aber deswegen nicht weniger anstrengend war die Situation, als ein Bankautomat meine Kreditkarte nicht mehr ausspuckte. Die Warterei in der Bank, während der Manager rauszufinden versuchte, wann der Automat geleert wird. Eventuell am Nachmittag. Nun gut. Durch den Verkehr lohnte es sich sowieso nicht, ins Stadtzentrum zu fahren und Sightseeing zu machen, bevor die Hochzeit weiterging.

Am Spätnachmittag traf ich wieder in dem Hotel ein, in dem am Abend der Empfang stattfinden sollte. Da meine Freundin noch im “Salon” war um für die Feier herausgeputzt zu werden, nutzte ich die Gelegenheit und fragte bei der Bank nach meiner Karte. Ne, der Mann von der Sicherheitsfirma war noch nicht da. Vielleicht in einer Stunde. Da wusste ich bereits: das wird nichts mehr. Es war Freitag, am Wochenende haben die Banken zu. Nächste Chance: Montagmittag. That’s India.

Um sechs Uhr abends sollte der Empfang losgehen, aber wie man ja weiß: Zeit ist relativ. Um kurz nach sechs wurde noch aufgebaut. Gegen halb sieben traf meine Freundin ein. Wow! Eine indische Braut übertrifft an Kleidern, Schmuck und Details alles, was ich bisher gesehen habe. Und so viel Blumenschmuck! Jedes Mal, wenn sie an einem vorbeiging, wehte ein Duft von frischen Blumen hinterher. Langsam trudelten weitere Nicht-Inder ein. Vom Bräutigam und der gesamten indischen Verwandschaft allerdings keine Spur. Aber wir hatten Spaß, vor allem, weil sowohl ein offizieller Fotograf als auch ein offizieller Kameramann mit tragbaren Scheinwerfer vor Ort waren, die bereits ihren Foto- und Videomarathon starteten. Gegen acht Uhr traf dann auch der Bräutigam mit Anhang ein und los ging’s. Fotos über Fotos, laute indische Musik, viel Getanze und leckeres Essen. Zwischendurch leicht verlegenes Innehalten beim Essen, wenn plötzlich der Kameramann aus 50 Zentimeter Entfernung filmte.

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Inzwischen lernte man auch die Verwandschaft des Bräutigams näher kennen. Da waren natürlich die Eltern. Und viele Cousins und Cousinen. Sehr maßgeblich im Ablauf waren auch die Tanten (liebevoll “aunties” genannt). Es gab die Organisations-Tante. Und den Tanz-Onkel (der sicherstellte, dass keiner sich vor dem Tanzen drückte). Die Cousine mit dem tollen Hüftschwung. Und den Onkel für alkoholische Getränke. Letzterer spielte an jenem Abend eine besondere Rolle. Es war nun nämlich so, dass ab und an kleinere Grüppchen die Feier für einige Zeit verließen. Bei näherem Nachforschen stellte sich heraus: in dem einen Hotelzimmer saß besagter Onkel und schenkte alkoholische Getränke aus (auch für Frauen!) und sorgte für angeregte Unterhaltungen. Das stellte eine willkommene Abwechslung zu der ziemlich lauten Tanzmusik dar.

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Zwischendurch fanden übrigens immer wieder kleinere religiöse Zeremonien statt, die allerdings in den meisten Fällen relativ wenig Aufmerksamkeit auf sich zogen. Die Ringzeremonie zum Beispiel fand anscheinend statt, während wir alle drei Tische weiter saßen und uns gerade über das Buffet freuten – selbst die Brauteltern waren nicht eingeweiht und bekamen nichts mit. Eine ungleich größere Aufmerksamkeit lag auf dem Tanzen. Es wurde viel vorgetanzt, und viel miteinander getanzt. Die “foreigners” blieben nicht verschont (ein Besuch beim Onkel sorgte für die Herabsenkung der Hemmschwelle, sodass einem dann auch der Kameramann relativ egal wurde) und es war ein ziemlich ausgelassener und lustiger Abend, der bis weit in die Nacht dauerte.

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The second night in Delhi didn’t bring much more sleep than the first one: since it got late the evening before and the batterie of my mobile phone was almost dead, the groom insisted on me sleeping with a friend at a nearby hotel. Being out on the streets late at night is not necesseraly something you should do as a woman in Delhi, and if you have to get back somewhere you should make sure that your mobile phone is working (the easiest way of transport for longer distances in the city proved to be Uber – especially because it has a fixed price and can be tracked).

The day went by, accompanied by the usual craziness in Delhi: lots of traffic, neverending honking (ironically, many tuktuks and vans have a sign at the back saying “horn please”, so that the driver notices when cars are overtaking), and cows on the streets. Many things which were overwhelming for some of the other wedding guests seemed surprisingly familiar to me as they reminded me of earlier travels. The missing sidewalks. The dirt along the streets. People who are able to sleep on the ground in the middle of the greatest hustle and bustle. The glances one automatically gets when travelling as a single woman. The fruit stands, the colourful dresses, the haggling. The ability to make the most out of anything. The relaxed definition of time (which can, admittedly, become a challenge!).

Also familiar, but still not less exhausting, was the situation when one of the atms ate my credit card. The waiting at the bank while the manager tried to find out when the atm will be opened again. Maybe in the afternoon? Well then. Due to the traffic, I couldn’t go to central Delhi and be back in time for the wedding anyway, so I decided to have no further plans this day.

Late afternoon, I was back at the hotel where the next part of the wedding was taking place in the evening. Since my friend was still at the salon, getting ready for the reception, I took the chance and checked whether my credit card was availabe again. No, the guy from the security company hadn’t arrived. Maybe in an hour? I realized: this isn’t working out. It was Friday, the bank was about to close for the weekend. Next chance: Monday at lunchtime.

At 6pm, the wedding reception was starting. Well, was supposed to start. But if you remember: there’s the relaxed definition of time. So when we checked the room shortly after six, there were still people preparing everything. Around half past six, my friend arrived. Wow, did she look awesome! So many flowers! Everytime she walked by, there was a smell of freshly picked flowers in the air. Slowly but steadily, more non-Indian guests arrived. No sign of the groom and his relatives though. While we were waiting, the offical photographer and the camera man with its portable spotlight took the chance to start an epic picture and video footage marathon. Around eight o’clock, the groom and all the Indian guests arrived and then the party started. Pictures, pictures and more pictures, loud Indian music, a lot of dancing and delicious food. And in between, one had to stop and smile when the camera man swung by and focused.

By now, one also started to get to know and memorise all the relatives of the groom. There were the parents, of course. And a multitude of cousins. Another very important group were the aunts (lovingly called “aunties”). There was the organisation aunt. And the dance uncle (who made sure everyone joined the dance floor!). The cousin with the great hip swing. And the alcoholic beverage uncle. The latter played a special role that evening. Every now and then, small groups of guests (mostly non-Indian) were leaving the party for a short amount of time. After some investigation it turned out: there was kind of a privat bar going on in one of the hotel rooms. And the alcoholic beverage uncle was sitting there, making sure everyone was supplied with, well, an alcoholic beverage (even women) and some good conversation. It was a welcomed change for everyone who was too exhausted for the dance floor (or who needed to get brave enough for the dance floor).

By the way, during the whole evening, religious ceremonies were happening, but in most cases they draw relatively little attention. The ring ceremony, for instance, apparently took place while we were three tables away, enjoying dinner. Even the parents of the bride didn’t notice (and therefore missed it). Much more attention, however, was paid to the dancing. Many of the cousins danced special choreographies for the bride and groom (and the wedding video, I assume), and in between it was made sure that all of us joined in. It was a pretty lively, loud and happy evening which lasted far into the night.

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Indien, Tag 1 / India, day 1

(English version follows below)

Seit Mittwochvormittag bin ich wieder zurück, der Alltag hat einen gleich wieder fest im Griff (die Kinder sind immer noch kränkelnd zu Hause) und es ist dringend an der Zeit, die Eindrücke der letzten Woche festzuhalten. Ich bin noch nicht mal zum Tagebuch-Schreiben gekommen, obwohl das bei Reisen eigentlich ein festes Ritual bei mir ist.

Als ich letzte Woche zum Flughafen fuhr, auf dem Weg zu meinem Kurzabenteuer in Indien, da war es dunkel, nass und kalt. Die Leute an der S-Bahn Station in Hamburg starrten auf ihre Handys, jeder mit sich selbst beschäftigt. Nach Ankunft am Flughafen eilte jeder seiner Wege, der Bahnhof war innerhalb von Minuten wieder menschenleer.

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Menschenleer: die S-Bahnstation am Hamburger Flughafen drei Minuten nach Ankunft des Zuges / Abandoned: the trainstation at Hamburg airport, three minutes after the train arrived

Beim Zwischenstopp zwei Stunden später dann bereits die Erkenntnis: Indien beginnt am Zürcher Flughafen. Genauer gesagt am Abflugsterminal für Langestreckenflüge. Am Gate für den Flug nach Delhi war ich anfangs die einzige Europäerin zwischen vielen bunten Turbanen und farbenfrohen Gewändern. Insgesamt waren es vielleicht zehn Nicht-Inder im Flieger.

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Sonnenuntergang über dem Schwarzen Meer / Sunset over the Black Sea

In Neu-Delhi kam dann der eigentliche Gegensatz. Trotz nachtschlafender Zeit (ich kam so gegen 3 Uhr nachts aus dem Flughafen raus) tobte draußen das Leben. Wärme, Menschenmassen, Gehupe, Gerufe, Gerüche. Ein Glück, dass mein B&B mir einen Taxifahrer mit Schild zum Abholen geschickt hatte.

Viel Zeit zum Ausschlafen blieb mir am Morgen nicht, denn gleich am ersten Tag gingen die Hochzeitsfeierlichkeiten los, die der Grund meiner Reise waren. Vorher musste ich noch irgendwie versuchen, für drei Abende indische Kleider zu kaufen. Gottseidank musste ich mich nicht, wie befürchtet, alleine in den nächstbesten Basar stürzen (damit wäre ich so kurz nach der Ankunft heillos überfordert gewesen), sondern die sehr liebenswerte und hilfsbereite Inhaberin des B&Bs und ihre Tochter nutzten die Gelegenheit und begleiteten mich auf Kleidersuche und schauten, dass ich angemessen eingekleidet wurde. Das B&B (Mayas Nest) kann ich übrigens trotz leicht dezentraler Lage von ganzem Herzen empfehlen!

Am späten Nachmittag ging es los und ich freute mich nicht nur, nach mehreren Jahren meine Freundin wiederzusehen, sondern auch kurz vor der Hochzeit endlich ihren Verlobten kennenzulernen. So eine Hochzeit in Indien dauert übrigens mehrere Tage – für uns angereiste Gäste drei, für das Brautpaar noch ein paar mehr. An diesem Abend fand nach einer Zeremonie das traditionelle Mehndi statt, wo die Braut und die weiblichen Angehörigen und Freunde mit Henna bemalt werden. Während die Angehörigen sich lediglich die Hände bemalen lassen, werden der Braut die kompletten Arme von den Schultern bis zu den Fingerspitzen sowie die Beine bemalt. Das dauert dementsprechend lange – in diesem Fall pro Arm und Bein jeweils eine knappe Stunde – und bedeutet auch, dass die Braut ihre Arme für knapp vier Stunden nicht ablegen und entsprechend auch nicht Trinken, Essen oder auf Toilette gehen kann. Ich habe gelesen, dass es dazu dient, der Braut ein bisschen Ruhe zu verschaffen….für mich sah es eher anstrengend aus. Es muss auch recht lange trocknen, im Idealfall lässt man es bis zum nächsten Morgen dran (meines habe ich nach zwei oder drei Stunden an den Fingern abgemacht um zu essen). Aber immerhin muss die Braut, solange die Hennamalerein nach der Hochzeit zu sehen sind, nicht im Haushalt mithelfen.

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Im Laufe des Abends wurde die Gesellschaft lauter und lustiger, es gab draußen im Freien leckeres Essen und nach und nach stießen auch ein paar Männer der Familien dazu (der Rest saß anscheinend in der Wohnung des Bräutigams und genoss alkoholische Getränke – ein Privilieg, das den Frauen in Indien vorenthalten wird). Es wurden Trommeln ausgepackt, die Verwandschaft fing an zu singen und enthusiastisch zu tanzen, bis spät in die Nacht. Ein ausgelassener und schöner Auftakt der Hochzeit.

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Since Wednesday morning, I’m back with my family and back to daily routine. The kids are still at home, being slightly sick, and it is about time to write down all the impressions of last week. I didn’t even have enough time to write a travel journal – a tradition which I normally always manage to do while I’m travelling.

When I went to the airport last week, on my way to my short but long awaited adventure in India, it was dark, wet and cold. The people at the metro station in Hamburg were looking at their smart phones, each being occupied by their own lives. After we arrived at Hamburg airport, everyone went their own ways and the trainstation was deserted only minutes after the train arrived.

Two hours later, during my stopover, I realized: India starts at Zurich airport. More precisely at the terminal for long distant flights. At the gate for New Delhi, I happened to be the only European amidst colourful turbans and dresses. All in all, there were maybe ten non-Indians on the flight.

In New Delhi, the contrast was amazing. Despite being late at night (I was done with the passport control and the luggage pick-off at around 3am), the whole city was awake. Warmth, crowds of taxi drivers, honking, shouting, smells. I was quite glad that my B&B sent me a taxi driver with my name on a sign to pick me up.

There wasn’t much time to sleep long the next morning as the wedding ceremonies (which were the reason for my trip) were starting that very day. Before that I had to somehow manage to find Indian dressen for three different evenings. Luckily, I didn’t have to dive into the nearest basar, as expected (and slightly feared). I would have been completely overwhelmed by it on my first day. Instead, the lovely and very helpfull owner of the B&B and her daughter took the chance and accompanied me to the nearest shopping mall in order to help me pick some appropriate dresses. By the way, I can recommend the B&B (Mayas Nest) from the bottom of my heart!

Late afternoon, the wedding ceremonies started and I was not only happy to see my friend again after several years, but also to finally meet her soon-to-be husband. For your information, a wedding in India lasts several days – for us international guests it lasted three days, but there were even more days with smaller ceremonies going on for the bride and groom afterwards. This first evening was the so called Mehndi evening, where the bride and the female relatives and friends meet to get the traditional henna tattoos. While the relatives and friends only get their hands done, the bride will get tattoos on both arms from the shoulder to the fingertips, and on both legs. Accordingly, it takes a long time – in this case, each arm and leg took almost an hour. I read that one of the original ideas behind it is to get the bride some rest before the wedding – however, since the bride can’t lay down her arms for about four hours and can’t drink, eat or go to the bathroom during that time, it appears to me to be rather exhausting after a while…Once applied, the henna has to dry for several hours, so normally you leave it on when you go to bed and take it off the next morning (I took parts of it off after three hours as I wanted to eat dinner). Ah, and for as long as the henna tattoo is visible after the wedding, the bride doesn’t nee to help with the daily chores.

In the course of this evening, the party got louder and merrier. There was some fine food outside and after a while, some of the men came and joined as well (I think the rest was to be found in the flat of the grooms’ parents, enjoying alcoholic beverages – a privilege which is denied the women). At one point, someone started drumming and people sang and danced very enthusiastically until late evening. A lively and beautiful opening of the wedding.

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Kurzer Zwischenbericht der Zurückgebliebenen / short interim-report of those left behind

(englische Version folgt, Artikel von Karsten)

So, während die Göttergattin in Indien weilt und die drei Tage Hochzeit nun überstanden hat, hat der in Deutschland zurückgebliebene Teil der Familie mit einer fast schon surreal anmutenden Dichte an Ungemach zu kämpfen.

Angefangen hat es damit, dass der kleine Hobbit, der sowieso gerade Backenzähne bekommt und deshalb seit Wochen schlecht schläft, am Tage vom Abflug der Göttergattin eine Mittelohrentzündung mit 40°C Fieber entwickelte. Er wurde daraufhin verständlicherweise sehr anhänglich und verbrachte den größten Teil des Tages auf meinem Arm, während er Nachts durch ständiges Weinen einen auf Trab hielt. Er bekam also Antibiotika und nach 2 Tagen wurde es langsam besser (wobei die Anhänglichkeit nach wie vor vorhanden ist). Ich habe mir dann am ersten Abend beim ins Bett gehen an dem Holzregenbogen der Kinde rim Dunkeln so stark den Zeh gestossen, dass dieser auch drei Tage später noch ordentlich grün und blau und geschwollen ist und ich zwei Tage nur humpeln kponnte…

Getoppt wurde all dies nur am Freitag, als wir die Große aus dem Kindergarten abholen wollten und vom Kindergärtner gesagt bekamen, dass die Große evtl Hand-Fuß Mund Krankheit bekommt.  Sie hatte große Pusteln im Mund entwickelt und hatte Fieber und konnte nicht mehr trinken und Essen. Wir haben in der Apotheke noch schnell ein Spray gekauft, dass ein lokales Anästhetikum ist, um das Essen zu ermöglichen, aber da es fast 40% Alkohol enthält brennt es so stark auf den offenen Stellen, dass es trotz sehr guter Wirksamkeit kaum genutzt wird… Jetzt verdünnen wir es mit Wasser, dadurch geht es besser und wenn die große damit gurgelt, hilft es trotzdem ganz gut.. Heute Nacht wurde Sie dann (nach mehrmaligem Aufwachen davor wegen Schmerzen etc) ab 4 Uhr wach und musste sich alle halbe Stunde übergeben… Sie wollte dann auch logischerweise nicht mehr einschlafen, sodass Michel aus Lönneberga vorgelesen wurde…  Glücklicherweise ist seit Freitag meine Mutter zur Unterstützung angereist, denn der Schlaf lässt doch sehr zu wünschen übrig. Glücklicherweise ist die große wirklich enorm Tapfer und zwingt immer Kamillentee mit Honig und ab und an etwas kühlendes Eis in sich rein und es wirkt, als wäre langsam eine Besserung in Sicht… Aber wir sind jetzt gespannt was die letzten drei Tage noch alles bringen.

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So, while the best wife in the world is currently in India and has survived the three-day long wedding, the other part of the family that was left behind in Germany had to suffer an almost surreal amount of adversity.

It started with the fact, that the little hobbit (who had been a poor sleeper for the last weeks anyway, due to the final molar teeth breaking through) developed an imflammation of the middle ear, with 40°C fever. He got really clingy as a result and I spent most of the day carrying him around, and most of the night soothing him when he was crying. The doctor prescribed Antibiotics and after two days it got better (although he still is very clingy).

I then hurt my toe really bad when accidentally kicking the wooden toy rainbow of the kids really hard at the first night, when going to bed, and it is swollen and of a greenish-blue ever since, causing me to limp for two days.

All of this was topped on Friday, when we picked up the little one from kindergarden, and the kindergardener told us that she might have developed hand foot and mouth disease. She had blisters throughout her mouth, fever and was unable to drink or eat due to the pain. Luckily we still managed to get a local anaesthetic before the weekend started, to at least enable her to eat. But because it contains almost 40% alcohol it really burns on these open wounds in the mouth, so that our daughter refuses to take it, despite its actually really good effectiveness in reducing the pain afterwards…  Luckily we now had the idea to dilute it with water and just gargle with it for a while, to increase the retention time on the wounds. That way it doesnt burn anymore, but apparently maintains effectiveness. But to add to all of this, I was awaken by her this morning at 4am (after several intermissions during night already) because she started throwing up in regular intervals… As she didnt want to sleep afterwards anymore, we spent the remaining time until the morning, reading Emil i Lönneberga.

Luckily my mother arrived on Friday to assist me with the kids, which is great because otherwise my sleep deprivation would be insane by now. Also, luckily, our daughter is really brave and continues to force camomille tea with honey and ice cream down her throat (the last one doesnt sound as bad as it feels for her ;-).

But we are curious to see what the other three days will bring!

 

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ein Abenteuer, ein Abenteuer! / an adventure, an adventure!

(English version follows below)

Vor über zehn Jahren habe ich ein Auslandssemester in Stockholm gemacht und habe immer noch zahlreiche, wunderschöne Erinnerungen an diese Zeit. Neben viel Spaß, tollen Unternehmungen und vielen denk- und eventuell auch fragwürdigen Erlebnissen, die ich damals hatte, habe ich dort auch einige Leute kennengelernt, die zu sehr guten Freunden geworden sind.

Eine dieser Freundinnen, eine Amerikanerin, heiratet dieses Jahr. Dabei hat sie mit Hochzeiten eigentlich so gar nichts am Hut und würde am Liebsten zur Feier des Tages einen gemütlichen Filmabend zu Hause machen, zu dem jeder eine Kleinigkeit zu Essen mitbringt. Nun ja, leckeres Essen wird es geben. Aber aus dem Rest wird nichts. Sie heiratet nämlich einen Inder.

Das heißt, dass es nicht nur eine, sondern gleich zwei Hochzeiten gibt. Eine in den USA und eine traditionelle in Indien.

Also, nächste Woche flieg ich dann mal nach Delhi!!! 🙂

(Inzwischen habe ich auch das online-Visum bekommen, alle Impfungen sind aufgefrischt, Malaria-Prophylaxe als Standby-Therapie ist besorgt, Unterkunft reserviert und die Kinderbetreuung geregelt. Ich bin auch so einigermaßen informiert über den Ablauf, der sich über drei Tage erstreckt. Nur der Smog, der dürfte gerne bis nächste Woche weniger werden….laut Süddeutscher Zeitung werde ich pro Tag, den ich in Delhi bin, zwei Stunden weniger leben. Aber das ist es mir wert.)

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Over ten years ago, I did a semester abroad in Stockholm. Many moments from that time are still among my best memories. In addition to fun, great trips and numerous memorable (and sometimes dubious) experiences, I still value some very good friends from back then.

One of these friends, an American, is getting married this year. I still can’t believe that it is happening, because weddings are not really her cup of tea and in a perfect world, I think she would marry at home, followed by a nice, cozy movie night in the living room where every guest just brings some good stuff to eat.

Well, there will be good stuff to eat, definitely. But I guess the wedding won’t be small, and it won’t be a movie night. It is going to be an Indian wedding.

That means that she’ll not only have one, but two wedding cermonies. One in the States, and one in India.

….

Well then, I’ll be off to Delhi next week! 🙂

(By now, I managed to get a granted online-visa and all necessary shots. The malaria prophylaxis is packed as stand-by therapie, the b&b is confirmed and my mother-in-law will come and watch the children. I also know the basics of the wedding ceremony, which will stretch over three days. But the smog, the smog is allowed to get better until next week, please….according to a German Newspaper, I’ll live 2 hours less each day I spend in Delhi. But it’ll be worth it, I’m sure!)

 

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Gesprächsfetzen / conversation snippets

(English version follows below)

“Schatz, der Kleine bräuchte ganz dringend mal eine frische Windel!” – “Warte, ich kümmer mich gleich drum. Ich muss nur ganz schnell noch die Rhizobien im Garten verteilen!”

Was man halt so sagt.

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“Darling, the hobbit is in urgent need of a fresh diaper!” – “Wait, I’ll take care of it in a second. I just have to cast the rhizobia in our garden!”

Things you say…

 

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Es werde Licht! / Let there be light!

(English version follows below)

Hat tatsächlich irgendwann mal jemand geglaubt, dass man umzieht und schwuppdiwupp nach ein paar Tagen alles an seinem Platz steht und man sich zufrieden zurücklehnt, einen Schluck Wein nimmt und sich denkt: “Ah! Jetzt ist alles ausgepackt, aufgebaut und genau so, wie es sein soll!”? Nein, nein, so läuft das nicht. Nicht, wenn der neue Ort viel größer als der alte ist, man aber aufgrund der finanziellen Situation nur nach und nach gewisse Dinge angehen kann.

Immerhin schallt es inzwischen nicht mehr so bei uns im Wohnzimmer.

Seit langer Zeit waren wir am Grübeln, was für Lampen wir für unser Esszimmer nehmen könnten. Vom Vorbesitzer waren noch große, dunkelbraune, scheinwerferartige Strahler an einer dunkelbraunen Schiene vorhanden, die wir einfach weitergenutzt haben. Aber die Ausgeburt an Schönheit waren sie nun nicht, auch wenn uns schon gesagt wurde, dass man sicherlich viel Geld bei Ebay für sie bekommen würde. Genau wie uns ja auch immer gesagt wird, dass unser kackdunkelbraunes Badezimmer mit dem pipicurrygelben Waschbecken wieder total im Kommen ist. Das macht es aber leider nicht hübscher. Dazu kam, dass ständig die Glühbirnen durchbrannten, und sowieso der Stromverbrauch bei drei Strahlern ziemlich hoch war.

Wir waren also auf der Suche nach einer geeigneten Lösung, aber zum Leidwesen von Karsten habe ich bei sämtlichen modernen Strahlern für Schienensysteme im Internet nur den Kopf geschüttelt. Passte alles irgendwie nicht. Sah nicht nach uns aus. Es sollte etwas sein, dass etwas aussagte wie “Hier wohnt eine leicht chaotische, aber im Grunde sehr liebenswerte vierköpfige Familie, die es gerne gemütlich hat”.

Dann hatte Karsten plötzlich eine Idee, und verschwand über einen längeren Zeitraum jeden Abend im Keller. Dort hörte man ihn bohren und hämmer und klopfen, und ständig war die Wäsche voller Holzspäne.

Am Freitag kam dann der große Moment! Und tadaaaaa! Wir haben eine neue Lampe. Eine, die zu uns passt und die total prima ist und den weltbesten Ehemann mit großem Stolz erfüllt, auch wenn es noch das eine oder andere Detail zum Verbessern gibt.

Alles selbstgebaut. Und braucht nur noch einen Bruchteil des bisherigen Stroms. Und dimmbar ist sie noch dazu.

Wieder eine Baustelle weniger!

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Did anyone ever think that, after a move, everything is just right and at its proper place? That one sits down after two or three days of work, taking a sip of wine, thinking: “Ah! Now we are done! Everything’s unpacked and exactly like it’s supposed to be!”. No, no, that’s not how it works! Not if the new place is much bigger than the old one, and the financial situation only allows one small step at a time.

At least there’s no echo in our living room anymore.

For quite some time now, we have been thinking about a good solution regarding the lights in our living/dining room. So far, there have been big, dark brown spotlights on a darkbrown rail which were left by the previous owner. But they weren’t exactly a beauty, even though we were told that we could probably get a lot of money for them on ebay. But people also tell us that the darkbrown bathroom tiles and the yellow sinks are having a revival, and it still doesn’t make them look any better! Moreover, the light bulbs tended to burn through, and the spotlights also had a pretty high consumption of electricity.

So we have been looking for a good option, but to Karstens’ regrets I did’t like any of the modern spotlights for rails that we found online. Didn’t fit! Didn’t look like us! We needed something that says “Here lives a slightly chaotic, yet very lovable family of four, who likes to have a cozy home!”.

Then Karsten had an idea, and he disappeared into the basement for many evenings in a row, where I could hear him drilling and hammering and puttering around, and constantly the laundry was full of wood shavings.

Friday was the big day! Tadaaaaaaa! We have a new lamp. One, that fit’s and that’s awesome and that makes the best husband in the world feel very proud, although there are still some minor details to improve.

All done by himself. And it needs only a fraction of the electricity consumption. And it’s even dimmable.

One item less on the list!

 

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Pferdezeugs / horse stuff

(English version follows below)

Hach, manchmal bin ich echt genervt. Und müde. Weil ich müde bin, versuche ich, nicht alle hundert Dinge aufzulisten, die mich gerade nerven. Das interessiert wahrscheinlich sowieso keinen. Deswegen nur ein Beispiel:

Die Suche nach schönen Freizeitbeschäftigungen für die Große entpuppt sich als gar nicht so einfach, wenn man ständig ein quengeliges, bockendes und unentschiedenes Kleinkind auf dem Arm rumtragen muss.

Eltern-Kind-Reiten ist theoretisch ‘ne feine Sache. Wenn der Elternteil dann kein quengeliges, bockendes und unentschiedenes Kleinkind auf dem Arm tragen muss, das mit seinem Geschrei die Pferde scheu macht.

Auch wäre es nett, wenn auf der Homepage irgendwo vermerkt ist, dass man sich gefälligst vorher anmelden muss, auch wenn es kein fester Kurs ist und man jede Stunde entscheiden kann, ob man kommt oder nicht. Und wenn dann eine Mutter vorbeikommt und sich das nur mal angucken will, dann darf man sich freuen und die Mutter begrüßen und sowas sagen wie “Schön, dass sie hier sind, ich heiße xy, schauen sie doch einfach mal zu!”

Es ist total nett, dass dann eines der älteren Mädchen die Große auf dem Pferd mit rumführen kann, während ich ein quengeliges, bockendes …(aber das weiß man ja nun)…

Trotzdem: Ich fände es super, wenn bei einem Kurs für Kinder ab 2 Jahren (!) damit gerechnet wird, dass die Eltern potentiell keine Ahnung von Pferden haben. Und dass nicht einfach zum Kind gesagt wird “Hier ist ein Pferd. Und hier ein Hufkratzer, heb mal das Bein vom Pferd hoch und kratz…” sondern eher sowas wie “Das ist ein Pferd. Das ist mindestens dreimal so groß wie du. Es ist ganz lieb und man kann prima auf ihm reiten, aber es gibt ein paar Dinge, die du beachten solltest.  Man muss aufpassen, dass man nicht von hinten an das Tier herankommt, weil es sich dann erschrecken und ausschlagen kann. Auch mag es keine lauten Geräusche, du musst also aufpassen, dass du nicht plötzlich laut schreist oder lachst, auch wenn du dich freust. Aber das Pferd mag es total, wenn man….”. Wisst ihr, was ich meine?

So war das schon damals, als ich als Kind meine ersten und einzigen Ferien auf einem Ponyhof gemacht habe. Keiner hat mir je ordentlich erklärt, wie man eigentlich mit Pferden umgeht. Auch bei meinem einzigen Ausritt auf einem Pferd in Neuseeland (Horse Trekking für Touristen…ich suchte verzweifelt nach Aktivitäten, die kein Bungee Jumping, Autorennen oder Fallschirmspringen involvierten!) wurde ich auf ein Pferd gesetzt bin ich auf ein Pferd gestiegen und dann ging es los und dann blieb ich zurück, weil mein Pferd lieber Gras gefressen hat und mir keiner gesagt hat, wie man es eigentlich dazu bringt, dahin zu laufen, wo man selber hin will…Das es dann plötzlich von null auf hundert losgaloppiert, hat mir mit meiner Beziehung zu Pferden auch nicht wirklich geholfen

Jetzt schreibe ich mich hier ein bisschen in Rage, aber das leider vor dem Hintergrund, dass hier im Nachbardorf gerade ein Mädchen auf der Weide durch sein Pferd tödlich verunglückt ist. Alles, was ich eigentlich sagen will, ist: man sollte im Hinterkopf behalten, dass Pferde große und starke Tiere sind und wenn man Geld für Eltern-Kind Kurse nimmt, dann muss man den Kindern Leuten auch ein paar Grundlagen beibringen, bevor man sie an die Pferde lässt.

Die Große fand das Reiten jedenfalls prima. Gottseidank fand sie das Schnuppern beim Musikkurs noch besser.

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Gee, am I annyoed. And tired. And since I am tired, I’ll try not to write about all the hundreds of things that are annoying me. Probably it’s not interesting anyway. So here’s just one example:

We are looking for a nice afternoon thingy to do for the little one, and the search turns out to be rather challenging with a mourning, loud and undecisive toddler on my arm.

Parent-children-horse riding is, theoretically, a good thing. If the parent doesn’t have to carry a mourning, loud and undecisive toddler whose screaming is scaring the horses.

Also, it would be nice if the homepage would say something about the need to register beforehead, even though it is not a regular course and one can decided each week again if one participates or not. And if there is a new mother swinging by who just wants to have a look, it would be nice to say something like “Hello, nice to meet you, my name is xy, feel free to have a look around”.

It is really nice that one of the older girls can walk around and lead the little one on a horse while I am carrying a mourning, loud…(well, you know the rest)…

STILL! It would be great if, in a course for children starting at the age of 2 (!), the person in charge would keep in mind that the parents have, potentially, no prior knowledge about horses either. And that one doesn’t say to the child “Here’s a horse. And that is a hoof pick, so now you can just pick up the horses leg and clean the hoof…”. Maybe instead, it would be good to say: “Look, that is a horse. It is at least three times bigger than you are, but they are friendly creatures. However, don’t ever approach a horse from behind because then it might get scared and lash out. Also, it doesn’t like loud noises, so keep in mind not to shout or laugh loudly when you are next to it. But the horse likes it very much when…” You know what I mean?

I remember my first and only holiday on a pony farm to be the same. Noone ever explained to me how to handle horses properly. Even when I was a grown up and I signed up for a horse trekking day in New Zealand (I was desperate for an activity that wasn’t bungee jumping, racing or parachuting!), I was put on a horse and then I lost the group because my horse decided to graze instead of walk and I had no clou how to make it move (and my relationship to horses wasn’t really improved when it suddenly decided to gallop!)

Yes, I know I am writing myself in a rage here, but unfortunately I am writing this against the background that a little girl in a nearby village was accidentaly killed last week because of her horse. All I actually would like to say is: keep in mind that horses are big and strong animals, and if you take money for a horse riding course, make sure to teach some basics.

The little one loved the horse riding. But luckily for me, she liked the music course even better.

 

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