Waldkindergarten-Zwischenbericht / update from the forest kindergarden

(English version follows below)

Seit über einem halben Jahr geht die Große nun in den Waldkindergarten und in ein paar Tagen fangen offiziell die Sommerferien an. Zeit für ein kleines Resumé. Anfangs war ich skeptisch, ob dieses Konzept so zur ihr passt, denn sie hatte zwischendurch eine Phase, wo sie nur sehr schwer an die frische Luft zu kriegen war. Außerdem überlegte ich, wie das im Waldkindergarten wohl mit so Sachen wie Bücher vorlesen, Basteln und Vorschulprogramm ist (ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich großen Wert auf Vorschulprogramm lege oder nicht, aber ich denke, dass Kinder das ab einem gewissen Alter selber spannend finden).

Vor allem habe ich in der ersten Woche auf gutes Wetter gehofft.

In der ersten Woche war das Wetter, bis auf den ersten Tag, scheußlich. Es hat am zweiten Tag in Strömen geregnet (ich saß zu Hause, guckte aus dem Fenster und dachte voller Herzschmerz an mein Kind, dass draußen im Wald steht…), am dritten Tag mussten sie wegen Sturm in die Notunterkunft, und an den letzten beiden Tagen waren es -8 Grad und Wind. Dazu kam, dass es hier Anfang Januar um 8 Uhr morgens noch stockfinster ist – es fühlte sich doch sehr, sehr merkwürdig an, sein Kind morgens im dunklen Wald abzugeben und nach Hause zu fahren.

Die Große hat sich bis heute mit nicht einem Wort beim Abholen über das Wetter beschwert. An keinem Tag. Egal welches Wetter. Das Wetter scheint ihr total egal zu sein. (Gut, wie es der Zufall so will, hatte sie prompt gestern morgen keine Lust nach draußen zu gehen weil es mal wieder in Strömen regnete. Spaß gehabt hat sie trotzdem!). Es sind andere Sachen, die für sie zählen.

Das sind zum einen die anderen Kinder. Mit 3,5 war es einfach höchste Zeit, dass sie andere Kinder in ihrem Alter um sich herum hat, und zwar regelmäßig. Schon vom ersten Probetag an hat sie sich mit den Kindern angefreundet, und die haben sie gleich aufgenommen. Generell habe ich das Gefühl (und das wurde mir von anderen Müttern bestätigt), dass sich im Waldkindergarten die Kinder sehr umeinander kümmern. Es gibt bestimmte Regeln – dass sie immer in Sichtweite der Erzieher sein müssen, dass sie nicht ohne Erzieher zurück auf den Parkplatz oder zum See dürfen – und die Kinder achten gegenseitig darauf, dass sich alle daran halten. Gleichzeitig identifizieren sich die Kinder total mit dem Wald. “Wir sind die Waldkinder!!” war der erste Satz, mit dem ich am Probetag von den Kindern begrüßt wurde. Im normalen Kindergarten, wo die Kinder alle zwei Wochen zur musikalischen Früherziehung sind, sagt kein Kind “Wir sind die blaue/gelbe/grüne Gruppe”…

Dann kommt hinzu, dass die Kinder im Wald eine unglaubliche Freiheit genießen können. Sie dürfen so laut sein wie sie wollen. Oft höre ich sie beim Abholen schon am Waldrand – Wolfsgeheul, Gekreische, Gelache, oder oft das Abschiedsritual, wo am Ende so laut wie möglich “Tschüs, bis baaaald!” gerufen wird. Sie dürfen klettern und toben und rennen und schnitzen wie sie wollen. Die Große ist eigentlich jeden Tag komplett verdreckt wenn ich sie abhole. Ab und an hat sie ein Pflaster an der Hand. Aber sie ist inzwischen sehr sicher im Klettern. Im normalen Kindergarten dürfen die Kinder draußen bis zu einer Höhe von ca 1,5 Metern klettern. Der Erzieher meinte nur lachend zu mir, dass sei für ihn kein Klettern. Im Wald klettert das eine Mädchen ca vier Meter hoch. Die Regel ist: nur so weit klettern wie du alleine wieder runterkommst. Und es funktioniert: die Kinder klettern nur so weit wie sie können. Ab und an fällt jemand runter, ja. Aber ernsthaft passiert ist noch nie etwas.

Dadurch, dass viel getobt wird, ist die Große auch viel selbstsicherer im Umgang mit anderen Kindern geworden. Wurde sie früher von einem anderen Kind gehauen, dann stand sie da und fing furchtbar an zu weinen und verstand die Welt nicht mehr. Jetzt hat sie verschiedene Strategien gelernt, wie sie mit sowas umgeht. Von Stopp sagen über Sich jemand anderen zum Spielen suchen bis hin zu einem kräftigen Schubser. Gut, letzteres muss man nicht unbedingt gut heißen, aber hey, einfach dastehen und heulen ist auch blöd, vor allem wenn das später immer noch so ist, insofern bin ich froh, dass sie sich auch mal behauptet.

Und das Basteln und Lesen? Im Bauwagen gibt es eine Bücherecke und Bastelsachen. Alle zwei Wochen sind die Vorlesepaten im Wald. Und gebastelt und gemalt wird sehr viel, wenn man denn will. Seit die Große im Kindergarten ist, hat sie einen richtigen Bastel-und Malflash bekommen. Sie hat schneiden und kleben gelernt und ist total kreativ. Was mir ausserdem aufgefallen ist: eine der Lieblingsbeschäftigungen der Waldkinder sind Rollenspiele. Seien es Feuerdrachen, Räuber, Piraten, Wölfe, Bären, Prinzessinnen, Pferde oder Polizisten….es gibt so gut wie jeden Tag ein Rollenspiel in der einen oder anderen Form.

Die gängigen Gefahren – in erster Linie Zecken – hielten sich bis jetzt in Grenzen. Bisher haben wir nur eine einzige entfernen müssen. Fuchsbandwurm kommt in dieser Gegend so gut wie nie vor, und die eigentlich größte Gefahr, der Prozessionsspinner, wurde zum Glück um unser Dorf herum auch noch nicht gesichtet. Dafür haben wir nach wie vor im Verdacht, dass sich die Große im Frühjahr mit dem Hanta-Virus infiziert hatte, aber sicher sind wir nicht, denn darauf wurde im Krankenhaus nicht getestet. Sollte bei ihr irgendwann mal wieder Blut abgenommen werden, dann lasse ich interessehalber mal Antikörper bestimmen. Was sie zuhauf nach Hause bringt, sind Mückenstiche. An einem Frühlingstag schwirrten die Kriebelmücken das erste Mal aus und beim Abholen sah die gesamte Kindergartengruppe aus, als wären Windpocken ausgebrochen. Aber auch hier wird erstaunlich wenig drüber gejammert. Respekt!

Und der Kleine? Der freut sich jeden Tag tierisch, wenn er die Große im Wald abholt, wirft sich voller Freude den Erziehern in die Arme und wird von den anderen Kindern begeistert begrüßt. Und ist bereits für nächstes Jahr angemeldet.

(Ich könnte ja noch so viel schreiben zu dem Konzept des Waldkindergartens und wie toll es ist…..ich hebe mir einfach ein bisschen für später auf.)

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More than half a year ago, the little one has joined the forest kindergarden and in a few days, summer holidays will officially begin. Time for a small update. At the beginning, I was quite sceptical whether a forest kindergarden might be the right concept for the little one. She did have a time last year when she wasn’t too keen on going outside. Also, I was wondering about things like reading, crafting and pre-school stuff and how it is going to fit in a forest kindergarden (not sure yet how important the pre-school activities are, but I think that kids are eager to it at a certain age anyway).

More than anything else, I was hoping for good weather during the first week.

Well, except for one day, the weather during the first week was absolutely horrible. It was puring dogs and cats (I was sitting at home, staring out of the window and feeling sorry for my kid), on the third day they had to go to the emergency shelter due to a storm and on the last day it was windy with -8° celsius. Moreover, in January it is really, really dark at 8am – it did feel kind of weird to leave my child in a pitch black forest in the morning!

So far, the little one hasn’t complained about the weather once (no, I am lying….yesterday, she would have preferred to stay in bed because it was again raining cats and dogs. But when I picked her up, she didn’t say a word about the rain). No matter which type of weather: it’s fine. It doesn’t seem to affect her. There are other things than the weather that count.

The other kids, for instance. With 3,5 years it was time for the little one to finally be regularly surrounded by kids her own age. Starting with the first trial day, she made friends and the group accepted her right from the start. Generally, I feel (and I was assured the same thing by the other parents) that the children in the forest kindergarden take especially good care of each other. There are certain rules – always stay in sighting distance of the teachers, for instance, and don’t go back to the parking area or the lake on your own – and the kids are taking care that everyone follows these rules. At the same time, the kids identify themselves strongly with the forest. “We are the forest kids!” was the first sentence with which we were by the children greeted on our first day.  In the “normal” kindergarden, which the children visit every second week for their music session, noone is saying “We are the blue/yellow/green group!”

Moreover, the children have an incredible freedom in the forest. They are allowed to be as loud as they want. Quite often I can already here them although I haven’t even reached the parkin lot. – wolf sounds, ululation, laughter or the goodbye ritual. They are allowed to climb and romp around and run and carve, whatever they like. Amost every day, the little one is covered in mud when I pick her up. Every now and then she has a patch on her hand. She got very confident in climbing. At the normal kindergaden, the kids are allowed to climb the trees up to 1,5 meters. The forest teacher only laughed and said that 1,5 meters isn’t really considered climbing, is it? In the forest, the best climbing girl sometimes climbs up to four meters. The rule is: only climb as high as you feel comfortable and check that you are able to climb down again too. And it works. The kids are only climbing as high as they are able to climb down again. During the almost 15 years that the forest group exists, nothing serious has happened.

Due to the romping around, the little one also grew more confident regarding the interaction with other kids. When she got hit by another child last year, she stood there and started crying and didn’t understand what was going on. By now, she has learned different strategies to deal with situations like this. Saying “stopp!”, looking for someone else to play or even a hearty push back. Well, the latter probably isn’t considered the best option, but hey, it’s better to know how to hold one’s ground instead of simply standing there and crying, I think.

And the reading and crafting? In the trailer there is a shelf with books and a crafting table. Even a work bench. Every second week, two retirees are coming and reading stories to the kids. There is a lot of crafting and drawing going on and the little one got a real crafting-flash since she started. She learned how to cut and how to glue and is really creative. Also, I noticed that one game the kids in the forest love to play is role-play. Let it be fire dragons, pirates, wolves, bears, princesses, horses or police men…there is a role-play almost every day!

The popular risks – mainly ticks – have been limited so far. We had one tick in spring. fox tapeworm is not very common in this area and the actually most dangerous risk, the oak processionary moth, has not been sighted around our village so far. We still do have the suspicion that the little one had the Hanta virus in spring, but we don’t know for sure as they didn’t test it in the hospital. The next time when the little one has to do a blood test, we’ll check for antibodies just so we know (or don’t know). The one thing that is a bit annoying are the mosquitos. On one day in spring, the black flies started to fly and the whole kindergarden group looked like they had chickenpox. But even regarding the mosquito bites there are almost no complaints. Respect!

And the hobbit? He gets really excited every time we pick up the little one in the forest. He hugs the teachers, is greeted happily by the other kids and is already registered for autumn 2018.

(I could go on and on about how great the concept of a forest kindergarden is….but I’ll save a bit for later)

 

About erdhummel

Familial entropy - that's an insight into our current life which has been fundamentally changed last summer when our daughter was born. Having studied in Cottbus, Germany, and worked/studied in Edinburgh, Scotland, we momentarily live in a small town in Switzerland where Karsten is trying to save the environment and Freddie is trying to save our sanity. Since there is not much time for elaborate, long emails while doing that, we thought a blog might be a good option to smuggle ourselves into the lifes of our friends.
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2 Responses to Waldkindergarten-Zwischenbericht / update from the forest kindergarden

  1. Cécile says:

    I do love this concept too! And even if it seems a little wilder (in the good way of it 😉 ) it reminds me a bit of the leikkipaikka in Turku! Sure that Eléonore would have loved to go in such a forest kindergarten. In September it will be kindergarten “for real”. But the teachers do look very nice and the classrooms are awesome (toys, books, aquariums, scientific experiments and on and on… wish I could go there too!)
    And don’t worry about the pre-school skills, I’m truly convinced that playing is learning. And actually the best way to learn!
    Btw it’s always a pleasure to read you and be somehow up-to-date with your lives 🙂 Good God our blogs exist 😉
    Take care! Lots of hugs to you 4 😚

    • erdhummel says:

      From what I heard Americans are indeed really good in terms of pre-school experiments and science (after all, they were among the first countries with “hands-on-museums”!!). I am sure Eleonore will be more than happy! And you are, by the way, on my to do list for our holiday……I wanted to write you a proper letter ages ago 🙂

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