Indien, Tag 6 / India, day 6

(English version follows below)

In dieser Nacht schlief ich wie ein Stein. Das war wirklich mal nötig. Und klug von meinem Körper, denn so hat er ein bisschen Kraft gesammelt, um mich dann nach dem Aufwachen mit Wasserdurchfall vom Feinsten zu beglücken. Hatte es also gestern doch einen Grund, weshalb mir ständig so übel war.

Während ich alle zehn Minuten zum Klo lief, verwarf ich gedanklich meine Pläne für den letzten Tag. Der eigentlich Plan war, mir Old Delhi anzugucken. Den Basar, speziell den Gewürzbasar, die Moschee, eventuell das Fort. Am Abend wollte ich dann meine Freundin treffen und spätabends würde ich zum Flughafen fahren, denn in der Nacht ging mein Rückflug. (Um zwei Uhr nachts. Wie die meisten europäischen Flüge ab Delhi).

Die Aussicht, sich in meinem Zustand ins Gewühle zu stürzen ohne zu wissen, wo die nächste Toilette war, erschien mir wenig verlockend. (Der generelle Zustand der indischen Toiletten machte mir lustigerweise weniger aus. Für alle, die noch nicht in Asien waren: die Kloschüsseln sind in den meisten Fällen direkt im Boden eingelassen, so dass man sich mit geraffter Kleidung drüber hockt, und statt Klopapier gibt es einen Wasserhahn mit Schöpfkelle. Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, kann aber, so glaube ich, in vielerlei Hinsicht hygienischer sein. Die Kunst besteht darin, hinterher wieder so trocken zu sein, dass nicht jeder gleich sieht, dass man auf dem Klo war. Da ist es ganz praktisch, dass die traditionellen indischen Gewänder sowieso etwas länger sind. Aber die linke Hand, die sollte man dann wirklich nicht mehr benutzen….).

Schweren Herzens blieb ich also für die nächsten Stunden im Hotel. Ich packte, rannte zur Toilette, aß etwas Banane, rannte zur Toilette, trank etwas schwarzen Tee, rannte zur…

Gegen Mittag kehrte Ruhe ein. Ich warf zwei Immodium Tabletten ein, die ich glücklicherweise dabei hatte und die meine Darmtätigkeit für die nächsten drei Tage auf Eis legten, verabschiedete mich von der netten Hotelbesitzerin  und ihrer Tochter und fuhr zu meiner Freundin. Die hatte nach der Hochzeitsfeier noch zahlreiche post-feierliche Zeremonien mitmachen müssen und hatte inzwischen genug vom Heiraten. Wir machten uns auf, spazierten durch die indische Nachbarschaft und setzten uns in ein modernes Café, um ganz in Ruhe Tee zu trinken und zu quatschen. Nach über vier Jahren war das mal wieder nötig!

Hinterher spazierten wir die bereits dunklen Einkaufsstraßen entlang und suchten nach passenden Mitbringseln für die Familie. Zu zweit ist es übrigens wesentlich angenehmer, die Straßen entlang zu spazieren – man wird viel weniger angesprochen. Wir endeten in einem indischen Supermarkt, wo ich zu meinem Glück vom frisch angetrauten Ehemann meiner Freundin beraten wurde, was die besten indischen Snacks, Süßigkeiten und Gewürzmischungen angeht. Supermärkte in anderen Ländern finde ich immer unglaublich spannend, und ich war froh, dass ich nur mit einem halbvollen Rucksack angereist war.

Im Anschluss fuhren wir mit dem Ehemann und dessen Cousin noch durch die Gegend und praktizierten “Car-o-Bar”. Was schlicht und ergreifend bedeutet, dass man im Auto durch die Gegend fährt und trinkt. Auch der Fahrer. Was ich mit Argwohn beobachtete, aber letztendlich verwarf ich meine Sorgen, denn wir fuhren immer nur um den Block, und das im Schritttempo. Zwischendurch hielten wir bei mehreren Straßenständen, um typische indische Spezialitäten zu kosten. Und ja, mein Magen protestierte merklich, sodass ich leider nur wenige Bissen essen konnte. Das war nun echt Pech.

Gegen 22:30 Uhr verabschiedete ich mich von meiner Freundin und ihrer neuen Familie und machte mich auf den Weg zum Flughafen. Dort döste ich am Gate vor mich hin, während mein Magen vor sich hin grummelte. Um halb drei in der Nacht ging dann endlich der Flieger mit Verspätung los – ein letzter Blick auf das beleuchtete Delhi, und schon war ich wieder auf dem Weg nach Hause.

In Zürich dann Gerenne wegen der Verspätung (der Zürcher Flughafen ist aber auch groß!), und im nächsten Flugzeug gab’s anlässlich des 6. Dezembers einen Grittibänz…da wurde ich zugegebenermaßen etwas sentimental. Noch sentimentaler wurde ich, als mir zu Hause am Bahnhof meine Kinder in die Arme liefen. Und Karsten wurde nach der Woche mit kranken Kindern auch ganz sentimental, als ich endlich wieder da war.

In der nächsten Nacht lag ich im Bett und lauschte. Nichts. Kein Geräusch. Kein ständiges Hupkonzert, keine Musik, kein lautes Gerufe. Einfach nur Stille. So schön!

Mein Fazit? Was für eine Hochzeit! Was für eine Gelegenheit! Und wie schön, dass ich das miterleben konnte! Und Indien? Es heißt immer, entweder man hasst dieses Land, oder man liebt es! Ich glaube, sechs Tage in Delhi sind keine Grundlage für so eine Einteilung. Ich würde sehr gerne nochmal nach Indien fahren, mit mehr Zeit und Ruhe zum Herumzureisen. Mir gefällt das Land, die Farben, die Kultur, und ich habe in dieser kurzen Zeit nur positive Erfahrungen mit den Menschen gemacht. Aber ich würde nicht wieder alleine fahren, sondern mit Karsten an meiner Seite. Denn so viel ich auch früher alleine gereist bin: es ist einfach viel schöner, denjenigen an seiner Seite zu haben, den man liebt und mit dem man sich am liebsten austauscht.

Für die nächsten Jahre bin ich aber voll und ganz zufrieden, mit den Kleinen zusammen Europa zu entdecken. Die großen Abenteuer, die mache ich mit den Kindern, wenn sie ein bisschen älter sind.

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This night, I slept like a log. It was extremely necessary. And apparently very wise of my body, because that way it reloaded the battery so that I had enough strength the next morning to face the world’s finest diarrhea. Seems like there was indeed a reason why I felt so bad the day before.

While I was running to the restroom every ten minutes, I mentally dismissed all my plans for today. The original plan was to drive downtown in order to visit Old Delhi. The bazaar, particularly the spice bazaar, the mosque and maybe the fort. In the evening, I then wanted to meet with my friend and even later I had to go to the airport as my flight home was leaving the next night at 2am (like most flights back to Europe).

However, the prospect of going somewhere without knowing where to find the next restroom was pretty devastating. Though it was really more about the possible distances without a toilet than about the toilets themselves (for everyone who hasn’t been to Asia yet: most toilet bowls are put directly in the ground, so that you hold up your clothes and you squat above the hole, and instead of toilet paper you will find a tap and a ladle. Which is, I believe, in many cases more hygenic than you’d think, but the real art is to get yourself dry enough again so that it isn’t that obvious you just went to the toilet. In this matter, it is quite handy that the traditional Indian dress is long and airy 🙂 But you should keep in mind not to use your left hand, really…)

With a heavy heart, I stayed in the hotel for the next hours. I packed my stuff, went to the toilet, ate some banana, went to the toilet, drank some black tea, went….oh well, you know…

Around lunchtime, I felt better. I took two pills which basically stopped my bowel movement for the next three days, said goodbye to the nice owner of the hotel and her daughter, and went to see my friend. After the wedding, my friend seemed to have endured many more post-celebration ceremonies and she seemed to be slightly fed with the whole marriage business. We went outside, strolled down the streets and sat down in a modern café in order to drink tea and talk. After more  than four years, it felt so good to finally sit and talk again!

Afterwards, we strolled back again and looked for some gifts that I could take home. It is, by the way, much more comfortable to walk down the street when you are not on your own but with someone else, even if the other one is a woman too. We ended up in an Indian supermarket, where the freshly married groom gave me advice on the best Indian snacks, sweets and spice blends. I really love exploring supermarkets in other countries, and I was glad to have arrived with a half-empty backpack (which was full after my visit to the supermarket).

Afterwards, the groom and his cousin introduced me the concept of “car-o-bar”. Which basically means sitting in a car and drinking alcohol. Even the driver, which I first watched with suspicion. But I calmed down when I noticed that we were just going around the block in signalling speed. Two or three times we stopped at some street food stalls as they wanted to introduce me to some delicacies, which was great (and greatly appreciated) but unfortunately my stomach was still protesting so that I ended up eating only a few bites.

Around half past ten, I said goodbye to my friend and her new family, and made my way to the airport. There, I waited at the gate while listening to my stomach (which was making weird noises but otherwised behaved well). At half past two in the morning, my flight finally started – one last view of Delhi at night and off I was, on my way back home.

In Zurich, there was some running around because the flight arrived with delay (and argh, the Zurich airport is incredibly big!), and on the next plane they served a “Grittibänz” to every passenger since it was the 6th of December. The grittibänz made me a bit sentimental. I was even more sentimental when my kids hugged me at the train-station. And after a week with sick children, even Karsten was quite sentimental to have me back home.

The next night, I lay in my bed and listened. Nothing. Not a sound. No constant honking, no music, no loud shouting. Just silence. So good!

My conclusion? What a wedding! What an opportunity! And it was awesome that I actually had the chance to be a part of it!

It is always said that either you hate India or you love it. I feel that six days in Delhi do not form a good enough basis to make a judgement. I would love to go back to India, with more time and peace to travel around. I like the country, the colours, the culture and in this short time I didn’t make any bad experiences. But the next time, I don’t want to travel alone, but I want Karsten at my side. Because even if I travelled alone a lot in the past: it is so much better to have the person you love at your side, so that you can share the experiences.

For the next years, I think Europe offers enough great destinations for us as a family with small kids. The big adventures will come again, that’s for sure, but I prefer them to come when the kids are a little bit older.

 

 

About erdhummel

Familial entropy - that's an insight into our current life which has been fundamentally changed last summer when our daughter was born. Having studied in Cottbus, Germany, and worked/studied in Edinburgh, Scotland, we momentarily live in a small town in Switzerland where Karsten is trying to save the environment and Freddie is trying to save our sanity. Since there is not much time for elaborate, long emails while doing that, we thought a blog might be a good option to smuggle ourselves into the lifes of our friends.
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