gut gemacht? / well done?

(English version follows below)

Neulich, bei meinem regelmäßigen Schnuppern im Schweizer Familienblog, habe ich einen Beitrag zum Thema “gut gemacht” gelesen. Mit der Aufforderung, zu schreiben, was man seiner Meinung nach mit seinen Kindern gut macht. Und weil mir dir Frage nicht mehr aus dem Sinn ging, nehme ich einfach mal an der Blogparade von Séverine teil. So ein bisschen zufrieden sein mit dem, was man als Eltern macht, das ist jawohl nicht so schwer?

Anscheinend doch.

Immer wieder habe ich zwischendurch an diese Frage gedacht und überlegt, in welchen Situationen oder bei welchen Verhaltensweisen ich selber zu mir sagen kann “Das habe ich gut gemacht!”

Höflichkeit zum Beispiel. Finde ich wichtig und da achte ich auch drauf. Die Kinder wissen das auch. Ich kann non-verbal mit einem einzigen Blick kommunizieren, dass das Wort “Bitte” fehlt (ein leichtes Hochziehen der Augenbrauen ist alles, sehr effektiv!). Ich achte auch drauf, dass sie sich bedanken, wenn sie etwas bekommen. Aber das heißt nicht, dass sie das immer tun, ha, nein, wirklich nicht. Kann ich noch nicht wirklich als Erfolg verzeichnen.

Das Thema Essen fällt mir ein. Ich muss nicht extra irgendwelche Kindersachen kochen. Meine Kinder probieren immer mal wieder etwas Neues – neulich waren es Oktopus-Saugnäpfe, wo selbst ich kapituliert habe – und Gemüse kriege ich auch irgendwie in sie rein (nicht mehr so einfach wie früher, aber immerhin). Am Liebsten spielen sie Gemüse-Dieb. Da stelle ich als erstes beim Tischdecken eine Schale mit Gemüse auf den Tisch und sage mit strenger Stimme “Davon dürft ihr auf keinen Fall, unter keinen Umständen etwas von essen!”. Und los geht der Spaß.  Das läuft also ganz gut. Aber viel zu oft greife ich zu irgendwelchen schnellen Essen, weil die Zeit knapp ist. Nudeln mit Ketchup, Tiefkühlpizza, Maultaschen. Und überhaupt: die Tischmanieren. Die sorgen für regelmäßige Rauchwolken über meinem Kopf. Es kann doch nicht so schwer sein, für zehn Minuten ruhig auf seinem Hintern zu sitzen? Mein Vorschlag, draußen einen kleinen Schweinestall zu bauen wo die Kinder dann essen können stößt immer wieder auf große Begeisterung beim Nachwuchs.

Mh, was machen wir denn gut? Wutanfälle sind zur Zeit an der Tagesordnung, Aufräumen tut hier meist keiner außer mir und hören tun die Kinder auch nicht. Manchmal rede ich mir echt den Mund fusselig. Paradebeispiel neulich: auf “So, jetzt werden Zähne geputzt!” wird mit “Komm, kleiner Hobbit, wir spielen Verstecken!” reagiert. Ääähm….

Und sowieso gibt es ja immer wieder Tage, da läuft einfach alles schlecht. Da ist man selber schlecht drauf und muffelt die Kinder an und abends sitzt man da und kann sich selbst als Mutter überhaupt nicht leiden. Am Wochenende war zum Beispiel wieder so ein Tag. Und dann man wiederum so Momente, da schafft man es, einen Wutanfall der Kinder ganz entspannt zu begegnen, ganz ruhig zu bleiben. Dann denke ich mir in der Tat hinter “Gut gemacht!” Aber das kann es doch nicht sein? Wenn ich könnte, wäre ich  als Mutter geduldiger, lustiger, entspannter. Ich würde gesünder kochen, mehr rausgehen, mehr spielen.

Vielleicht hat ja der Ehemann und Vater eine spontane Idee, was wir als Eltern gut machen?

Anscheinend nicht. Auf meine Frage hin prustet er los und fragt “Dein Ernst jetzt?”. Ja, mein Ernst. Es folgte kurzes Überlegen. “Dass wir sie gezeugt haben?”.

Da hat er ja nicht Unrecht. Das haben wir schon fein gemacht. Und ich finde übrigens auch, dass wir zwei sehr feine, lustige und liebenswerte Kinder haben. Aber ich glaube gleichzeitig, dass man das nicht unbedingt an bestimmten Punkten unserer Erziehung festmachen kann. Es spielen doch so viele Faktoren mit rein, mal ganz abgesehen vom eigenen Charakter und Wesen des Kindes – wir wollen ja nicht vergessen, dass es sich um eigenständige Menschen handelt! Dass die Große zum Beispiel so super mitläuft wenn wir Unternehmungen machen, das hat gar nichts mit mir zu tun. Der Gedanke, bei der Erziehung etwas gut oder schlecht zu machen hat für mich in dem Zusammenhang ein bisschen den unguten Beigeschmack, dass man Kinder einfach formt. Viel wichtiger ist doch, was man den Kindern selber vorlebt. Wir wollen unseren Kindern unter anderem Empathie, Weltoffenheit, Toleranz, Höflichkeit und Gerechtigkeit vorleben. Aber unsere Kinder sind noch echt klein – viele dieser Werte kann man in dem Alter einfach noch nicht erwarten.

Viele Dinge sehen in Relation mit anderen Familien auch mal positiver und mal negativer aus. Es gibt immer Situationen, in denen man denkt “Das machen meine Kinder besser!” oder “Bin ich froh, dass meine Kinder das anders machen!”. Gleichzeitig gibt es genau so viele Situationen, wo man denkt “Ich wünschte, meine Kinder würden das auch machen!”. Im Vergleich zu den einen bin ich streng. Im Vergleich zu den anderen überhaupt nicht. Vergleiche sind gefährlich. Entweder, sie steigen einem zu Kopf, oder sie frustrieren. Eigentlich sollte man Vergleiche wirklich sein lassen.

Und überhaupt, wenn man sich als Mutter nicht selber auf die Schulter klopfen kann, sondern so unglaublich kritisch ist, bedeutet das nicht gleichzeitig, dass man genau so kritisch seinen Kindern gegenüber ist? Ist das nicht so, als wäre ich komplett unzufrieden mit meinem Nachwuchs? (An dieser Stelle war ich dann übrigens erst recht unzufrieden mit mir selber).

So ist das doch nicht! Meine Kinder treiben mich zwar oft in den Wahnsinn. Aber sie sind super, und zwar genau so wie sie sind. Wir lieben sie über alles. Vielleicht sollte man nicht nur die Vergleiche sein lassen, sondern auch mal als Eltern mehr Vertrauen in sich selbst haben und weniger selbstkritisch sein. Weniger auf Reaktionen in der Öffentlichkeit geben (denn die können mitunter frustrierend sein, aber da muss man den Fehler nun auch nicht immer bei sich selbst suchen!). Und weniger kritisch den Kindern gegenüber sein.

Irgendwann habe ich übrigens die Große gefragt, was ich als Mama gut mache. Sie hat gesagt, dass ich immer gut auf sie aufpasse und sie gut trösten kann. Das hat mich gefreut. Und dann meinte sie, dass sie es auch gut findet, dass ich ihr immer Süßigkeiten gebe. An dieser Stelle konnte ich mir ein triumphierendes, gedankliches “Ha!” nicht verkneifen, denn es herrscht ja bei den Großeltern mitunter die Sorge, wir würden unseren Kindern nichts Süßes gönnen. Das sei also hiermit offiziell widerlegt!

Und dann ist mir tatsächlich doch noch etwas eingefallen, was wir gut machen. Uneingeschränkt, wie ich finde. Das ist die Sache mit der Phantasie und dem Geschichten ausdenken. Dazu muss man wissen, dass die Große, als sie klein war, immer abends ein Lied über ihre zwei besten Freunde hören wollte. Irgendwann hat Karsten einfach improvisiert und sich eines ausgedacht. Poetry Slam, sozusagen, nur – nun ja, ohne poetry. Seit dem Abend hört die Große, die damals klein war, am Liebsten ausgedachte Lieder. Das ist gar nicht so einfach, geht aber, wenn man einfach mal auf schöne Melodien und Reime verzichtet. Man hat also seine Standard-Melodie (bei Karsten ist es angelehnt an “Anne Kaffeekanne”) und dann singt man einfach drauf los, meist recht dissonant und schaurig von der Satzstruktur, aber immerhin.

Irgendwann wollte die Große dann ein Nilpferd-Lied hören. Und dachte sich jeden Abend neue Dinge aus, die in dem Lied vorkommen sollen. Das ist nämlich der Vorteil: man kann sich die Schlaflieder selber ausdenken. Eine unserer schönsten Kombinationen bisher: ein Nilpferd-Lied in dem das Nilpferd in der Röhrenrutsche steckenbleibt, einen Stern findet und etwas Lilanes auf dem Weg liegt.

Zwischendurch wurde das Nilpferd abgelöst vom Pinguin, und manchmal muss Karsten ganz einfach vorsingen, was so an dem Tag passiert ist.

Ich singe weniger gerne ausgedachte Lieder. Bei mir sind es Geschichten oder Reime. Das geht ganz wunderbar beim Wandern. Oder um die Kinder in allerlei Momenten abzulenken. Beim Haarebürsten zum Beispiel. Seit ich beim Bürsten irgendwelche Quatschreime erzähle, gibt es erstaunlicherweise keine Tränen mehr. Vorher war es ein Drama.

Inzwischen dichtet die Große selber. Und singt ausgedachte Lieder. Dissonant und mit merkwürdiger Satzstruktur, aber total herzerwärmend und toll. Sie singt dem Kleinen Nilpferd-Lieder vor. Und denkt sich feine Geschichten aus. Phantasie ist so wichtig, finde ich! Ohne Phantasie ist das Leben langweilig, und ohne Phantasie kommt man nicht weiter. Und einfach drauf los zu spinnen, das will auch gekonnt sein.

Doch, da haben wir was gut gemacht! Und vieles andere hoffentlich auch.

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When I recently browsed through my regular Swiss family blog, I read an article about “well dones” with your children, and the invitation to blog about our own things that we, in our opinion, do well when it comes to raising kids. And since I couldn’t stop thinking about this question, I decided to join Severine and write about it. It can’t be too difiicult to find some things we do well, can it?

Well, apparently it can.

Again and again I pondered, trying to find situations or behaviours where I can pat myself on my back and honestly say to myself: “well done!”

Politeness, for instance. I think it is important and I try to teach my children the same. The children know the basic rules. I have also perfected a non-verbal way of communicating that the word “please” is missing (a slight raise of my eyebrows is all it takes). I pay attention that they say thank you when they receive gifts. But it doesn’t mean that they do it all the time. Ha, no, definitely not. I can’t really claim a success here so far.

Food comes to mind. I don’t need to cook any special children meals. My kids are open to try new stuff – recently, they tried octupus cups (even I surrendered!) – and they are eating enough vegetables. They love to play “vegetable thief”. When I prepare dinner, I often start the preparations with putting a small plate of vegetables on the table and I say with a smile and an important voice “You are not allowed to eat any of these. Not under any circumstances!”. And then the fun begins. It’s quite good, really. But there are too many times when I prepare something really quick instead of something healthy. Noodles with ketchup, frozen pizza (heated up, obviously) or sweet rice. And talking of food: the table manners. A cause for regular breakdowns on my side. Somehow, it seems impossible for my kids to calmly sit for ten minutes. My threat to build a pigsty in our garden where they can eat causes utmost delight and amusement among them.

Mh, what are we doing well? Tantrums are a regular thing right now, there is noone tidying up but me, and it’s not like the kids are doing anything I tell them to do. Sometimes, I wonder whether they actually hear me. Prime example from last week: I say “Ok, it’s time to brush your teeth!”. The little one replies: “Come, hobbit, let’s play hide and seek!” Ahem?

And anyway, there are always these dreadful days where everything goes wrong. I’m in a bad mood and I am grumpy with the kids and in the evening I sit on the couch and can’t stand myself, not as fellow human being and especially not as a mother. But then again, there are these rare times when I manage to face a tantrum patiently and calmly and lovingly. Then I do think “well done!” afterwards. But that surely can’t be it? I would love to be more patient, more fun, more relaxed as a mother. I would cook healthier, go outside more often and play more.

Maybe the husband and father has a good answer to the question what we have done well as parents?

Apparently not. When being asked the question, he bursted into laughter and asked back “Are you serious?” Yes, I am. A short pause of reflection followed. “That we made them?”

Well, he has a point there. We did that well! And by the way, I think we have two very lovely, funny and fine children. But I also think that this doesn’t necessarily depends on our way of upbringing. There are so many other factors which influence them, and then there’s their very own character and personality as well – we don’t want to forget that they are, after all, independent human beings, do we? For instance, the fact that the little one is really good company on hikes doesn’t have anything to do with my upbringing. It just happens. The thought to do something well (or not well) in terms of upbringing has, for me, the slightly bad connotation that one is trying to form the children. For me, it is more important what kind of role model we as parents try to be. We would like to show our kids the importance of being polite, empathic, tolerant and fair. But our kids are still really young – many of these values can’t be expected at their age.

Many things are positive or negative depending on other families I happen to compare us to. There are always situations where I think “My kids are doing this better!” or “Gee, I’m happy my kids are not doing this!”. At the same time there are moments when I think “I wish my children would do this too!”. Compared to some, I am a strict mother. Compared to others, I am not strict enough. Comparisons are dangerous. Either they go to your head, or they frustrate. One should really stop comparing.

And anyway, when I as a mother am not able be happy with myself in terms of raising children, doesn’t it also imply that I am not happy with my children? Doesn’t critisizing me also means critisizing my children? (At this point, I was by the way really frustrated with myself).

It’s not like this! My kids are driving me crazy every now and then, yes. But they are awesome, and they are awesome exactly the way they are! We love them more than anything! Maybe one shouldn’t just stop comparing oneself, but one should also trust more in one’s abilities as parents. Be less self-critical. Care less about the opinions in public. And be less critical towards our children.

At one point, I asked the little one about her opinion. What do you think I’m doing well as your mom? She said I always take good care of her and I can console her very well. That made me happy. And then she also liked that I always give her sweets. (I couldn’t resist a triumphant “Ha!” in my thoughts, because the grandparents are always seriously worried that our children suffer from not being allowed any sweets. I herewith officially disprove this assumption!)

And then, I finally found something that we do well. Absolutely. It’s the thing with the imagination and the story-telling. To understand it, you need to know that the little one, when she was little, insisted on songs about her two best friends. After insisting long enough, Karsten finally gave in and made up a song. Poetry slam, so to say, just – well, without the poetry. Since this very evening, the little one loves to listen to made-up songs. It is not as easy as it sounds, but once you stop trying to sound melodic and to come up with proper rhymes, it’s fine. We have a standard melody from a children song, and then Karsten just starts singing, most of the times rather dissonant and with a terrible structure, but with a high entertaining value.

After a while, the little one wanted to listen to hippo songs. And every evening, she came up with new ideas what the song should include. One of the coolest songs was supposed to include a hippo that got stuck in the slide, holding a star and something purple colored was supposed to be on the ground.

Sometimes the hippo gets replaced by a penguin. And often Karsten is simply asked to sing about what happened during the day.

I don’t do the improvised singing so much, but I prefer stories and rhymes. That’s a great advantages when going on hikes. Or when I try to distract the children in various moments. When brushing their hair, for instance. Since I started to come up with nonsense-rhymes during the brushing, there are no more tears. Before that, it was a drama.

By now, the little one is a good storyteller herself. She sings made-up songs. Dissonant and with a weird way of rhyming, but truly heartwarming and great. She sings hippo songs for the hobbit. And she comes up with awesome stories. Imagination is so important, in my opinion. Without imagination life is boring, and without imagination you won’t achieve much in life. And simply start telling nonsense is an art too.

Yes. I’d say that’s something we have done well so far! And hopefully some other things, too.

 

About erdhummel

Familial entropy - that's an insight into our current life which has been fundamentally changed last summer when our daughter was born. Having studied in Cottbus, Germany, and worked/studied in Edinburgh, Scotland, we momentarily live in a small town in Switzerland where Karsten is trying to save the environment and Freddie is trying to save our sanity. Since there is not much time for elaborate, long emails while doing that, we thought a blog might be a good option to smuggle ourselves into the lifes of our friends.
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4 Responses to gut gemacht? / well done?

  1. Angelika J. says:

    Ich weiß, was Ihr auf jeden Fall sehr gut macht: Ihr gebt den Kindern ganz viel Liebe und Geborgenheit und Aufmerksamkeit…in meinen Augen die wichtigsten drei Dinge überhaupt. Das Ergebnis: zwei prachtvolle, lebensfrohe Kinder. Angeli

    • erdhummel says:

      Danke! Das denke ich ja auch, aber trotzdem hat man oft das Gefühl, man könnte alles noch besser machen…aber letztendlich ist es wohl auch so genau richtig.

  2. Eine Mama, die sich so viele Gedanken macht, macht wohl schon sehr viel #gut. Ein schöner Beitrag.
    Herzlich, Anita

    • erdhummel says:

      Dankeschön 🙂 Das denke ich mir auch immer mal, dass ich immerhin selbstreflektiere. Erziehung ist ja nun auch ein andauernder Prozess – man sollte ja nicht vergessen, dass das meine ersten Kinder sind 😉

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